»Es kommt mir selbst etwas schleierhaft vor«

Bernd Schirmer präsentiert sein neustes Werk »Silberblick«, ein »Erinnerungsroman an die DDR«, am Abend des 27. Februars 2018.

© Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke

Schon lange vor Beginn der Lesung haben sich viele Zuhörer in der Stadtbibliothek Leipzig eingefunden. Sie alle sind hier, um den Leipziger Autor Bernd Schirmer zu sehen, der an diesem Abend seinen neuen Roman »Silberblick« vorstellt und ein paar Auszüge lesen wird. Schirmer selbst hat sich unters Volk gemischt, plaudert ein wenig mit Bekannten und dem Verleger, der an einem Tisch am Rand noch schnell ein paar Exemplare des Romans verkauft.

Wenn man sich das Publikum so ansieht, kommt einem die Erkenntnis, dass die Leute die Zeit, in der der Roman spielt – die DDR-Jahre – selbst miterlebt haben. »Sie senken den Altersdurchschnitt ungemein«, sagt eine ältere Dame lachend zu mir. Nachdem sich der Raum gefüllt hat, von ein paar einzelnen Plätzen in den letzten Reihen abgesehen, beginnt die Moderatorin mit einer kurzen Einleitung. Sie komplimentiert das Buchcover und gibt zu, höchsterfreut darüber zu sein, dass Schirmer »keinen Unterhaltungsroman à la Rosamunde Pilcher« aus »Silberblick« gemacht hat, wie es manch anderer Autor getan hätte, sondern einen »Erinnerungsroman an die DDR.«

»Das ist also der neue Roman«, leitet Bernd Schirmer seine kurze Rede ein. Viel vorwegnehmen möchte er nicht. »Es kommt mir selbst etwas schleierhaft vor«, sagt er noch bevor er anfängt zu lesen. Mit einem angemessenen Tempo führt Schirmer die Zuhörer durch das erste Kapitel des Romans. Es kommt einem vor, als würde Opa eine Geschichte von früher zum Besten geben. Dabei verleiht Schirmers sächsischer Akzent den französischen Wörtern einen ganz besonderen Klang.

Nach der Lesung signiert Bernd Schirmer seine Bücher. © Laura Angrick

Nicht nur die entspannte Vortragsart sorgt für eine heitere Atmosphäre. An manchen Stellen lacht das gesamte Publikum, zum Beispiel, wenn »die Partei« im Buch erwähnt wird. Die Worte »Erinnerungsroman an die DDR« kommen einem in den Sinn. Das Publikum schwelgt in Gedanken an eine längst vergangene Zeit. Die bildhafte Schilderung des Uni-Lebens der vier Hauptfiguren sorgt dafür, dass man sich mit ihnen im »Café Corso« am Tisch sitzen sieht.

Eine ganze Stunde lang liest Bernd Schirmer und klärt dabei die Frage, welcher der drei männlichen Protagonisten nun die Halbfranzösin Anna heiratet. In der anschließenden Fragerunde hat niemand eine Frage an den Autor. Stattdessen gibt es eine kleine Zugabe, Bernd Schirmer trägt einen weiteren kurzen Auszug vor. Schließlich beendet er die Zeitreise und holt die Leute wieder in die Realität zurück. »Erwarten Sie jetzt nicht, dass ich Ihnen erkläre, was ich damit sagen wollte!« Denn worum es nun genau geht, muss sich jeder selbst erschließen.

Beitragsbild: Bernd Schirmer liest ein Kapitel aus seinem Roman »Silberblick.« © Laura Angrick


Die Veranstaltung: Lesung mit Bernd Schirmer: Silberblick, Stadtbibliothek Leipzig, 27.2.2018, 19 Uhr

Das Buch: Bernd Schirmer: Silberblick. Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke, Leipzig 2017, 456 Seiten, 24 Euro


 

 

Die Rezensentin: Laura Angrick

 


 

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