Entgegen dem allgegenwärtig Bösen in der Welt

Gespräch mit dem japanischen Autor Fuminori Nakamura und Lesung aus seinem Roman »Die Maske«.

© Diogenes

»Warum ist es nicht erlaubt, einen Menschen zu töten?« Die Frage eines Oberstufenschülers im Tokioter Fernsehen sorgt für Erstaunen und wirbelt eine Menge weiterer Fragen auf: Kann ich meinem Schicksal entrinnen? Wie kann ich mein Leben leben und ist es möglich mit Literatur dem allgegenwärtig Bösen in der Welt etwas entgegenzusetzen? Für Fuminori Nakamura gaben diese philosophischen Fragen Anstoß dafür, seinen Roman »Die Maske« zu verfassen. So beschreibt es sein Dolmetscher Thomas Eggenberg.

Ich sitze im Lesesaal des Frankfurter Literaturhauses, lausche den japanischen Klängen und warte gespannt auf die Übersetzung Eggenbergs. Der Abend ist als Gespräch gestaltet und mit Leseproben gespickt: Moderator Jan Wilm interpretiert das Werk und stellt die für ihn wichtigsten Fragen, die die Essenz des Romans enthüllen sollen. Der Mensch als »Geschwür«, Masken die aufgesetzt werden, um Teile des Selbst zu verstecken. Karma, Terror in der Gesellschaft und im Bewusstsein des Individuums – Themen, die im Roman von Bedeutung sind und die der Moderator allesamt zu umreißen versucht.

Getuschel auf dem Podium – immer wieder lockern kleine Missgeschicke die Atmosphäre auf. Der Dolmetscher spricht uns aus Versehen auf Japanisch an – Gelächter in den Zuschauerreihen. Fuminori Nakamura und Thomas Eggenberg ergeben ein charmantes Team, von dem wir nicht nur inhaltliche Aspekte des Romans erfahren, sondern auch etwas über die Schreibweise des Autors. Die Absicht des Nakamuras ist es, Tiefe in seine Geschichten zu legen und mit wenigen Worten Stimmung zu schaffen – ganz im Sinne der japanischen Gedichtform Haiku. Und das gelingt!

Fuminori Nakamura. © Diogenes Verlag

Das Publikum versinkt in den Textpassagen, die der Schauspieler Isaak Dentler mit seiner spannungsgeladenen Stimme vorträgt. Der Held der Geschichte, Fumihiro Kuki, ist elf Jahre alt, als er ins Arbeitszimmer seines beängstigenden Vaters gerufen wird und erfährt, was seine Bestimmung für die Welt ist. Nach Familientradition soll er als »Geschwür« dazu erzogen werden, Unglück über die Menschen zu bringen. Doch aus Liebe zu dem Waisenmädchen Kaori will er seinem Schicksal entfliehen.

Sind wir nun Autoren unserer Bestimmung oder ihr ausgeliefert? Fuminori Nakamuras Antwort ist ein Zitat Sartres: »Die Existenz geht dem Wesen voraus.«

Als die Lesung endet, stürmen die Zuschauer an die Kasse, um Fuminori Nakamuras Bücher zu kaufen – noch ganz im Rausch der Geschichte und literarisch geküsst, wie es ein Zuschauer ausdrückt.

Beitragsbild (von links nach rechts): Jan Wilm mit Thomas Eggenberg, Fuminori Nakamura und Isaak Dentler. © Céline Krost


Die Veranstaltung: Fuminori Nakamura: Die Maske, Moderation: Jan Wilm, Übersetzung: Thomas Eggenberg, Lesung deutscher Text: Isaak Dentler, Literaturhaus Frankfurt am Main, 7.3.2018, 19.30 Uhr

Das Buch: Fuminori Nakamura: Die Maske. Diogenes, Zürich 2018, 347 Seiten, 24 Euro, E-Book 20,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Céline Julia Krost

 


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