Eine Lesung, die zur Grundsatzdiskussion wurde

Journalist und Autor Sven Recker liest im »lauritz – Café & Handwerk« aus seinem neuen Satire-Roman »Fake Metal Jacket«.

Sven Recker. © Georg Roske

Trotz des Schneegestöbers vor den Fenstern haben sich rund 30 Personen in dem beengten Café eingefunden. Die Stühle wurden scheinbar provisorisch zusammengesucht und manche Zuhörer müssen auf den Fensterbänken oder der Treppe sitzen. Sven Recker sitzt bereits seit einer Viertelstunde auf dem Sessel und wartet darauf, dass die Musik und die Gespräche verebben. Als alle Gäste mit Tee, Bier, Wein oder Kuchen versorgt sind, beginnt Franziska Otto vom Verlag Edition Nautilus den groben Inhalt des Buches sowie den Autor vorzustellen. Als dieser mit seinem Part beginnen möchten, ertönen aus den hinteren Reihen Rufe, dass er bitte etwas lauter reden solle.

Nun stehend fasst er den Inhalt noch einmal mit seinen eigenen Worten zusammen: »Der Protagonist Peter Larsen war schon einmal im Syrien-Krieg, verbreitet jetzt aber von Berlin aus Nachrichten und Liveticker aus dem angeblichen Syrien.« Anhand der vorgelesenen Stellen wird klar, wie das ungefähr abläuft: Idee für eine große Geschichte haben, die auch der Redaktion gefällt, angebliche Syrer holen – am Besten aus dem Flüchtlingsheim, auch wenn es Afghanen sind –, diese in ein Boot stecken, auf einen See in Mecklenburg setzen, wegpaddeln lassen und dann posten, dass Flucht der einzige Ausweg aus dem Krieg sei. In den Gesichtern der Zuhörer ist eine Mischung aus Unverständnis für die Skrupellosigkeit Peter Larsens, Erstaunen über den Einfallsreichtum und gleichzeitiges Lachen aufgrund der Absurdität zu sehen.

© Edition Nautilus

Als der Autor nach einer knappen halben Stunde das Lesen beendet, beginnt der längere Teil des Abends: die Publikumsdiskussion. Nach anfänglicher Scheu erheben sich nach und nach mehr Hände von Leuten, die den Mann, der für eine Organisation arbeitet, die lokale Journalisten aus aller Welt in ihrem Fach schult, nach seinen Erfahrungen befragen möchten. So kommt es allmählich zu einer Grundsatzdiskussion über Fake News. Dabei wird die Frage gestellt, welchen Medien man denn überhaupt noch Vertrauen und Glauben schenken dürfe und es wird auf die Tatsache eingegangen, dass selbst den Redaktionen Dinge grundlegend verschwiegen werden. Der Grund dafür scheint dem Autor klar: »Es ist einfacher Medien zu publizieren, die in das eigene Weltbild passen. Deswegen werden auch bei einigen Agenturen nur solche Bilder veröffentlicht, die dem eigenen Konzept entsprechen.«

Als das Publikumsgespräch nach 40 Minuten langsam beendet wird und somit die Zeit des Vorlesens schon lange überschritten ist, jubelt das Publikum Sven Recker zu. Dieser bedankt sich und verkauft und signiert im Anschluss noch einige Bücher. Auf die Frage, die ein Zuhörer ihm vis-à-vis stellt, ob das Ende ein offenes sei, antwortet er eindeutig. Doch davon darf an dieser Stelle nicht zu viel vorweggenommen werden – denn es lohnt sich, einen Blick in das Buch zu werfen, das innerhalb weniger Stunden gelesen werden kann.

Beitragsbild: Sven Recker im »lauritz – Café & Handwerk«. © Swenja Brauer


Die Veranstaltung: Sven Recker liest aus Fake Metal Jacket, Moderation: Franziska Otto, lauritz Café & Handwerk, 16.3.2018, 20 Uhr

Das Buch: Sven Recker: Fake Metal Jacket. Edition Nautilus, Hamburg 2018, 128 Seiten, 18 Euro, E-Book 14,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Swenja Brauer

 


 

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