Eine Buchausstellung wird zum revolutionären Akt

Professor Dr. h.c. mult. Saur berichtet von seiner Reise nach Israel im Herbst 1968

Von Bernadette Foohs

Am 10. Oktober 1968 startete der erste planmäßige Flieger von Frankfurt nach Tel Aviv. So berichtet Herr Saur. Zur Feier des Ereignisses gab es Champagner für alle Passagiere. „Auch für die Holzklasse“, erzählt er. Und auch am nächsten Tag, am 11. Oktober, freuten sich die Passagiere über die gleiche Aufmerksamkeit. So auch Saur. Mit einem Glas Champagner in der Hand startete er seine Reise nach Israel.

Klaus G. Saur ist ein weltberühmter Verleger und der Gründungsvater der Leipziger Buchwissenschaft. 1968 wurde er vom Börsenverein beauftragt, eine Buchausstellung in Israel zu organisieren. Ein gewagtes Unternehmen, wenn man beachtet, dass Saur der Sohn eines der schlimmsten Nazis und Hitlers Rüstungsspezialist ist. Ein Thema, mit dem er sein ganzes Leben konfrontiert wird. Da seine politische Einstellung aber keineswegs mit der seines Vaters übereinstimmt, ist er der richtige Kandidat für die Reise.

Herr Saur wirft in seinem Vortrag mit Jahreszahlen und Namen von wichtigen Personen um sich. Eine Anekdote reiht sich an die andere. Das Publikum ist amüsiert. Das könnte aber auch an dem Sekt liegen, den jeder Gast zur Begrüßung erhalten hat.

Der Abend findet im Rahmen der Ausstellung „Jüdisches Allerlei“ statt, welche von der Buchwissenschaft Leipzig organisiert wird. Auch Siegfried Lokatis, Professor der Leipziger Buchwissenschaft, ist anwesend und moderiert den Abend.

In gemütlicher Atmosphäre lauschen die Zuhörer den Geschichten von Saur. Der Salon der Szenekneipe Pilot ist im Fünfziger Jahre Stil eingerichtet – goldene Säulen und Kronleuchter zieren den Raum. Das gedämpfte Licht lockert die Stimmung der Besucher.

Tel Aviv – Jerusalem – Haifa. Das waren die Städte, in denen die Buchausstellung damals stattfand. In Tel Aviv gab es noch Schwierigkeiten, da die Presse die Ausstellung entweder ignorierte oder boykottierte. Es galt als „revolutionärer Akt“ eine deutsche Buchausstellung in Israel stattfinden zu lassen. In Jerusalem war es ähnlich – dort wurden alle Vorträge auf Deutsch gehalten und das führte zu einem Skandal. In Haifa lief die Veranstaltung dann schon besser. Dazu trug wohl Saurs Geschick bei, Sachen geregelt zu kriegen. Die Presse war zufrieden.

Nach einer Fragerunde schließt Professor Lokatis den Vortrag mit ein paar Worten ab. Der Abend wird mit einem weiteren Glas Sekt abgerundet.

saur

Zur Veranstaltung: Sieben Wochen in Israel im Herbst 1968; Klaus G. Saur, Siegfried Lokatis; Pilot; 12.03.2015; 19 Uhr

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