„Eine Biographie, aber gleichzeitig keine Biographie“

Lesung und Gespräch mit Hila Blum

Von Bernadette Foohs

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Es ist Donnerstagmittag, 13 Uhr. Die Messe hat erst vor wenigen Stunden aufgemacht und ist bereits brechend voll. Mitten im Durcheinander findet man das Leseforum Israel. „Israel – Land of Creation“ ist groß auf den Stellwänden zu lesen. Ein motivierender Slogan.

Passend zum Messeschwerpunkt „1965 bis 2015. Deutschland – Israel“ finden hier Veranstaltungen rund ums Thema Israel statt. Eine davon ist die Lesung zu dem Buch „Der Besuch“.

Gelesen wird der Roman von der Schauspielerin Artemis Chalkidou, geschrieben von Hila Blum. Die Autorin wurde 1969 in Jerusalem geboren, wo sie auch mittlerweile wieder lebt. Im Interview antwortet sie auf Englisch, aber sie lässt uns ihre Muttersprache ins Ohr wandern: Die ersten Sätze des Buches liest sie auf Hebräisch vor.

„Der Besuch“ handelt von einer modernen israelischen Familie, den Eltern Nati und Nili, ihrer gemeinsamen Tochter Asia und Natis Tochter aus erste Ehe, Dida. Am Anfang des Buches erhalten Nati und Nili einen Anruf von einem alten Bekannten, der ankündigt, dass er bald zu Besuch kommen werde. Aber es geht weniger um den eigentlichen Besuch, sondern um das, was er im Innenleben der Protagonistin Nili auslöst. Von außen scheint Normalität zu herrschen, der Roman aber schaut hinter die Kulissen und untersucht die feinen Nuancen einer Beziehung. Im Zentrum steht die Frage: „Was wissen wir eigentlich über uns?“

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Zu Beginn der Veranstaltung wird Hila Blum von der Moderatorin Shelly Kupferberg interviewt. Die Autorin wird gefragt, inwieweit das Buch autobiographisch ist. „Eine Biographie, aber gleichzeitig keine Biographie“, übersetzt die Moderatorin die Antwort für das Publikum. Hila Blum kommt selbst aus einer Patchwork Familie, wie sie im Buch beschrieben ist. Sie verrät, dass sie sich selbst viel mit der Frage beschäftigt hat: „Wie erziehe ich ein Kind, das nicht mein eigenes ist?“ Eine Frage, die sich auch Nili im Buch stellen muss. Abgesehen davon ist die Geschichte fiktiv. Ganze acht Jahre hat sie gebraucht und den Roman fertigzustellen.

Die Messe selbst ist vielleicht nicht der richtige Ort für eine Lesung: ständig drängeln sich Leute vorbei, das Licht ist unvorteilhaft und es ist schwer, die drei Protagonistinnen auf der kleinen Bühne zu verstehen. Aber Hila Blum nimmt es gelassen. Sie wirkt selbstbewusst und souverän. Interessiert lauscht sie, wie Artemis Chalkidou die deutsche Übersetzung ihres Buches vorliest. Zum Ende hin verrät sie, dass sie bereits an einem weiteren Roman arbeite. Sie wird von einem Israeli in Amsterdam erzählen. Aber das wird, wie bereits der erste Roman, seine Zeit brauchen.


 

Zum Buch: Hila Blum; „Der Besuch“; Berlin Verlag; 22,99 Euro; übersetzt von Mirjam Pressler

Zur Lesung: 1965 – 2015. Deutschland Israel; Der Besuch; Hila Blum, Artemis Chalkidou, Shelly Kupferberg; Messegelände, Leseforum Israel, Halle 4, Stand D400; 12.03.2015; 13.00-13.50 Uhr

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