Ein Stück deutscher Geschichte erzählen

Sabine Ebert im Gespräch über ihren neuen Roman in der Stadtbibliothek.

Knapp 250 Menschen sind am Samstagabend in den Oberlichtsaal der Stadtbibliothek gekommen. Der Raum ist hell erleuchtet und wirkt doch warm und einladend. Fotografien historischer Gräber sind an den Wänden ausgestellt, geben dem Saal eine gewisse Würde. Im Gegensatz zu vielen der Besucher wirkt die Autorin Sabine Ebert frisch und munter, und sobald sie die Gelegenheit bekommt, redet sie aufgeregt drauflos.

© Droemer Knaur
© Droemer Knaur

Sie entführt das Publikum in die hochkomplexe Welt mittelalterlicher Politik im Heiligen Römischen Reich. Wie kam es, dass Friedrich I. Barbarossa auf den Thron gelangte? »Schwert und Krone – Meister der Täuschung« handelt vor allem von der Vorgeschichte des berühmten Kaisers. Eine massive Intrige, die auch ohne Weiteres in die Welt von »Game of Thrones« passen würde, nimmt nach dem Tod Kaiser Lothars seinen Lauf und droht das Reich zu spalten. Der vom Kaiser bestimmte Erbe verlangt noch am Sterbebett die Gefolgschaft des Reichsadels und macht sich damit denkbar unbeliebt. Kurze Zeit später schnappt er ihm die Kaiserwürde vor der Nase weg. In die Enge getrieben und gedemütigt ruft der Herzog zu den Waffen, und das reinste Chaos bricht aus.

Verrat, Krieg und Verschwörungen sind die Themen dieses ersten Teils aus einer Reihe, die bis zu zehn Bände stark werden soll. Das zumindest schätzt die Autorin vorsichtig. Anders als bei vorhergehenden Romanen Eberts tauchen wir hier nicht in die Welt des einfachen Volkes ein. Im Gegenteil: Fürsten und Fürstinnen, Bischöfe und Ritter sind die Protagonisten dieser Geschichte. Das liegt auch daran, dass wir fast nichts über das einfache Landvolk des 13. Jahrhunderts wissen, vom Hochadel allerdings sehr viel.

Es ist erstaunlich, wie stark Ebert sich bei ihrem Stoff an historisch belegbare Ereignisse und Figuren hält: Etwa 90 Prozent aller handelnden Personen und Begebenheiten sind historisch verbürgt. Natürlich muss sich jeder Autor eines historischen Romans Freiheiten nehmen, und Ebert stellt hier keine Ausnahme dar. Dennoch legt sie großen Wert auf eine möglichst genaue Darstellung der Ereignisse. Sie wolle, so Ebert, »ein Stück deutsche Geschichte erzählen«.

Beitragsbild © Leoni Brach


Die Veranstaltung: Sabine Ebert liest aus Schwert und Krone – Meister der Täuschung, Moderation: Andrea Jope, 25.3.2017, 20 Uhr

Das Buch: Sabine Ebert: Schwert und Krone – Meister der Täuschung. Droemer Knaur 2017, 592 Seiten, 19,99 Euro, E-Book 17,99 Euro


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Der Rezensent: Georg Heinke

 


 

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