Ein Ordnungssystem wird auf den Kopf gestellt

Mona Kasten liest im behaglichen Schille Theaterhaus in Leipzig aus ihrem Roman »Save me« als dem ersten Teil ihrer neuen Trilogie.

Das Schille Theaterhaus, in welchem Mona Kasten aus ihrem neuen Werk »Save me« vorlesen wird, ist von außen ein unscheinbares Gebäude – es liegt versteckt in zweiter Reihe, die Fassade wirkt verfallen und die Eingangstür liegt unscheinbar um eine Ecke. Die Inneneinrichtung dagegen wirkt heimelig und rustikal, die Holzdielen knarren leicht bei jedem Schritt. Der Saal, in dem die Lesung stattfindet, erinnert an ein altes Kino – mehrere Sitzreihen auf verschiedenen Ebenen sind mit beigen Klappsitzen ausgestattet, bei denen sich bereits teilweise der Stoff ablöst. Als Mona Kasten durch einen schwarzen Vorhang auf die kleine Bühne tritt, brandet Applaus auf, unter welchem sie lächelnd zu dem runden Tisch schreitet, der mit einer roten Tischdecke versehen und einer Vase mit zwei gelben Tulpen dekoriert ist. In sanftes Licht getaucht begrüßt Mona Kasten ihre Zuhörer herzlich und meint scherzhaft: »So viele Leute … okay.« Als sie uns gesteht sich vor einem leeren Zuschauerraum gefürchtet zu haben, müssen wir über ihre offene Art schmunzeln.

Mona Kasten © Mona Kasten

Anschließend nimmt sie ihr Werk »Save me« in die Hand und beginnt mit ihrer angenehm wohlklingenden Stimme über die dahinterstehende Geschichte zu erzählen – Ruby, ein auf dem Boden gebliebenes Mädchen, geht auf ein Elite-College und versucht unter dem Radar der anderen Überflieger zu bleiben. Das klappt auch, bis zu einem besonderen Tag. Mona Kasten liest die Szene, die das Leben von Ruby verändern und ihr Ordnungssystem auf den Kopf stellen soll, spannend und mit vollem Herzblut vor, sodass man merkt, dass es nicht nur eine Geschichte ist, sondern ihre Geschichte, die sie auch wirklich lebt. Nachdem Mona Kasten die erste von drei Szenen gelesen hat, berichtet sie uns, was in der anschließenden Zeit passiert ist, als würde sie über reale Ereignisse sprechen.

In dem zweiten Abschnitt, den sie vorliest, wird deutlich, wieso sich Rubys Leben verändert hat – einer der Überflieger – nein besser: der Überflieger James ist auf sie aufmerksam geworden und denkt fälschlicherweise, dass er sie ganz leicht um den Finger wickeln könne.

Bevor wir in der dritten Szene James in einer unangenehmen Situation begleiten dürfen, bringt uns Mona Kasten wieder auf den aktuellen Stand. Während sie spricht und uns in das Leben auf dem Maxton-Hall-College einführt, ist es ganz still im Raum, da alle wie gebannt an den Lippen der geübten Leserin hängen. Als plötzlich ein Wecker klingelt, muss Kasten lachen und einige der Zuschauer stimmen mit ein. Lachend liest sie weiter und wirkt damit noch sympathischer.

Die anschließende Fragerunde, welche die Autorin souverän moderiert, ist ein offenes Gespräch, bei dem sie selbst locker und ehrlich ist und dabei viel gestikuliert. In der entstandenen, entspannten Stimmung beispielsweise gesteht sie auf die Frage, wieso sie zwei Erzählperspektiven gewählt habe, dass man einfach bei James weitermachen könne, wenn man bei Ruby nicht mehr weitermachen wolle, und entlockt uns damit ein erneutes Lachen. Kasten gesteht zudem, dass neben der geplanten Fantasy-Reihe ein geheimes Projekt geplant sei, von dem sie aber erst im Juni berichten könne – wir sollten uns auf jeden Fall das Datum vormerken.

Nach der Fragerunde folgt nun die Signierung, für die Bücher zum Erwerb bereitgelegt worden sind. Ich komme nicht umhin, mir von Mona Kasten eine Signatur in mein Exemplar von »Save me« eintragen zu lassen. Als sie mir mein Buch lächelnd überreicht, bleibt ein fader Beigeschmack: Die Erkenntnis, dass der nächste Teil der Maxton-Hall-Reihe erst im Mai erscheint, ist schier unerträglich.

Beitragsbild: Der Roman »Save me« von Mona Kasten mit einem goldenen Cover. © Lisa Norden


Die Veranstaltung: Mona Kasten liest aus Save me, 15.03.2018, 19 Uhr

Das Buch: Mona Kasten: Save me. LYX, Köln 2018, 416 Seiten, 12,90 Euro, E-Book 9,99 Euro


 

Die Rezensentin: Lisa Norden

 

 


 

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