Ein Meerschweinchen ohne Meer

Jens Sparschuh liest aus »Der alte Mann und das Meerschweinchen«.

Die Bänke in dem abgetrennten Bereich auf der Messe sind bereits voll mit Eltern und ihren kleinen Kindern. Es wird gezappelt, gerufen und gerannt. Eine Schar von Kindern hat sich im Halbkreis um das Lesepult auf den Boden gelegt, als Jens Sparschuh die Lesung beginnt.

© Gerstenberg Verlag
© Gerstenberg Verlag

Sein Buch »Der alte Mann und das Meerschweinchen« behandelt ein Problem, das wohl viele kennen: Ein Urlaub steht an, doch wohin mit dem geliebten Haustier? Das Meerschweinchen Ottilie gehört Angelina Polke, die mit ihren Eltern in den Urlaub ans Meer fahren möchte. Allerdings hat keiner zuvor das Kleingedruckte im Vertrag der Ferienwohnung gelesen: Haustiere jeglicher Art sind verboten! Denn laut dem Autor »können Menschen zwar sprechen, aber denken … naja«. Kurzerhand sucht die Familie jemanden, der sich um Ottilie kümmert. Herr Möhring, der Nachbar, erklärt sich bereit und schließlich steht der Reise nichts mehr im Weg. Der alte Mann hat allerdings keine Ahnung von der richtigen Verpflegung von Ottilie und so beginnt die Geschichte vom kleinen Tier und dem alten Mann. Doch wie dieser besondere Urlaub für das Meerschweinchen ausgeht, findet der Leser nur in diesem Buch heraus.

Sparschuh liest sehr lebhaft und hat sowohl die Aufmerksamkeit der Kinder als auch die der Eltern bei sich. Selbst die Kleinsten sind so gespannt, dass sie Zentimeter um Zentimeter dem Pult ein bisschen näherkommen, um noch mehr zu erfahren. Selbst die Hintergrundgeräusche der Messe und eine laute Frauenstimme, die immer wieder an einem anderen Stand in der Halle zu singen scheint, stört die Spannung nicht. Einige Kinder sagen bereits nach wenigen Minuten, dass sie das Buch haben möchten. Eine Dolmetscherin für Hörgeschädigte macht es zudem auch Tauben möglich, die lustige Geschichte um Ottilie und den alten Mann kennenzulernen.

Das Meerschweinchen kann zwar nicht sprechen, aber laut Sparschuhs fester Überzeugung definitiv denken. Ottilies Gedanken bringen die witzig gezeichneten, comicartigen Bilder im Werk mit sich reimenden Sprechblasen zum Ausdruck. Diese liest Sparschuh bis zum vorletzten Wort vor, damit die kleinen Zuschauer ihm den dazugehörigen Reim zurufen können. Je öfter er dies tut, umso lauter werden die Zurufe und die Kinder beginnen, immer mehr Spaß an Ottilies Geschichte zu haben. Auch die Erwachsenen finden es amüsant, wenn das Meerschweinchen denkt: »Was ist denn das für´n Henkersmahl? Ich glaub, ich kotze gleich im Strahl.«

Immer wieder tauchen noch einige neugierige Nachzügler am Rand auf und schmunzeln über die Gedanken von Ottilie und den alten Mann, der wohl besser Angelinas Meerschweinchen Ratgeber gelesen hätte.

Mit diesem Werk können sowohl Kinder, Eltern als auch Nicht-Eltern immer wieder lächeln. Außerdem lehrt es uns, dass es immer besser ist, vor der Buchung das Kleingedruckte zu lesen. Dann gibt es vielleicht auch ein bisschen Meer für ein kleines Meerschweinchen.

Beitragsbild: Jens Sparschuh (links) und die Hörgeschädigten-Dolmetscherin (rechts). © Laura Wendler


Die Veranstaltung: Jens Sparschuh liest aus Der alte Mann und das Meerschweinchen, Messe, 25.3.2017, 12 Uhr

Das Buch: Jens Sparschuh: Der alte Mann und das Meerschweinchen. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2017, 157 Seiten, 12,95 Euro


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Die Rezensentin: Laura Wendler


 

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