»Ein Kind bedeutet auch den Wettlauf um das gute, das bessere Leben.«

Gemütliche Lesung und anschließendes Gespräch mit Autorin Antonia Baum in der Alten Schlosserei.

Die Lesung von Antonia Baums »Stillleben« fand in der Alten Schlosserei statt, einem alten, kleinen Backsteingebäude im Hinterhof der Kurt-Eisner-Str. 66 in der Leipziger Südvorstadt. Trotz der geringen Anzahl an Zuhörern – nicht einmal zehn Personen – entschieden sich Antonia Baum und die Moderatorin Anne Stadler dazu, die Lesung zu halten.

Antonia Baum, 1984 geboren, studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Kulturwissenschaft. Sie arbeitete bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, ist heute für die ZEIT tätig und lebt in Berlin. Ihr autobiografischer Roman schildert ihre Erlebnisse kurz vor, während und nach ihrer Schwangerschaft.

Antonia Baum © Laura Linkhorst

In »Stillleben« geht es nicht nur um die Rolle der Frau und Mutter in der Gesellschaft, sondern auch um das Nebeneinander-Her-Leben von Menschen unterschiedlicher Stellungen. Baums Blick auf die Gesellschaft hat sich im Laufe der Zeit verändert. Feministische Fragestellungen rückten mehr in den Vordergrund. Zunächst drehte sich alles um sie selbst, Baum war ein eigenständiger, modern lebender Mensch mitten in Berlin. Sie führte eine glückliche Beziehung, in der es keine typische Rollenverteilung gab. Durch die Geburt ihres Kindes allerdings ändert sich das. Plötzlich nimmt sie die typische Mutterrolle ein und kümmert sich um das Baby, den Haushalt, die Beziehung und das Leben drum herum. In ihrem Roman geht sie den Fragen nach, wie Mütter dargestellt werden und wie sich Familie und Beruf vereinbaren lassen.

© Piper

Aber Antonia Baum geht auch auf die Einsamkeit ein, in die man mit einem Baby fällt. Als Mutter bleibt sie zu Hause und kümmert sich, trifft weniger Freunde. Alles dreht sich um das Kind und sie selbst kommt kaum zu etwas. Da gibt es diese Extreme zwischen totalem Glück und Unglück, was allerdings nie das Kind betrifft. Dieses liebt sie wie nie einen Menschen zuvor.

Auf meine Frage hin, weshalb sie so viele Anglizismen nutze, antwortet sie, dass sie nach dem heutigen modernen Sprachgebrauch schreibe und ab und an auch den »Rapper Talk à la Money Boy verarschen möchte«.

Die anwesenden Mütter im Publikum reagierten sehr positiv auf ihre Eindrücke und Erfahrungen und teilten ihre Ansichten. Einige Themen kamen mir etwas übertrieben und irrsinnig vor, was aber auch daran liegen mag, dass ich mich als kinderlose Frau nicht in eine Mutterrolle hineinversetzten kann. Für alle (werdenden) Mütter kann ich »Stillleben« – of course – nur empfehlen.

Beitragsbild: Antonia Baum (links) und Anne Stadler (rechts). © Laura Linkhorst


 

Die Veranstaltung:  Lesung und Gespräch mit Antonia Baum über »Stillleben«, Moderation: Anne Stadler, Alte Schlosserei, 16.3.2018, 20.30 Uhr

Das Buch: Antonia Baum: Stillleben. Piper Verlag, München 2018, 208 Seiten, 20,00 Euro


 

Die Rezensentin: Laura Linkhorst

 

 


 

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