Ein Biotop für Künstler im Westen der Stadt

Fast schon unscheinbar wirkt das Tapetenwerk im Leipziger Westen, wenn man es von der Lützner Straße aus betritt.

© Matthies Kirchhof

Durch eine schmale Gasse, vorbei an mehreren Backsteinmauern und zahlreichen großen Fenstern, kommt man auf den Innenhof des Geländes und auch hier weisen lediglich ein paar Skulpturen und etwas Graffiti an den Wänden auf einen Ort kreativer Arbeit hin. Wirklich deutlich wird das aber erst bei einem genaueren Blick durch die vielen Fenster in das Innere der verschiedenen Räume.

Ein Atelier von außen © Matthies Kirchhof

Das Tapetenwerk ist eine historische Fabrikanlage aus der Gründerzeit und wurde 2006 von dem Architektenehepaar Jana Reichenbach-Behnisch und Heiko Benisch mit der Idee gekauft, die Anlage schrittweise auszubauen um preiswerten Arbeitsraum für Künstler und einen zentralen Ort für Projekte und Ideen zu schaffen. Heute arbeiten auf dem Gelände viele unterschiedliche Künstler, Designer und Architekten. Das alte Fabrikgelände wirkt im Vergleich zur großen Baumwollspinnerei zwar eher übersichtlich, hat aber dennoch einiges zu bieten. Neben Vernissagen, Ausstellungen, Workshops und Lesungen finden auch regelmäßig Konzerte in den verschiedenen Hallen statt. Sogar ein kleiner Skateshop mit Café hat sich etabliert und die »Kantine« bietet unter der Woche jeden Tag ein anderes Mittagsgericht an. Da sich das Tapetenwerk als Kommunikationsort für Design, Kunst und Kultur versteht, ist es natürlich auch ein idealer Ort für verschiedene Arten der Literatur und Poesie. Was wäre also besser, als ganz Leipzig im Frühling zur Buchmesse einzuladen?

Das Tapetenwerk öffnet »Leipzig Liest« nicht zum ersten Mal seine Hallen. Auch in den vergangenen Jahren konnten Besucher spannenden Beiträgen von ganz unterschiedlicher Natur lauschen. Das Programm hätte vielfältiger nicht sein können. Von Geschichten für Kinder, einem Episodenroman über das Erwachsenwerden, Pop-Literatur, ein Abend rund ums Self-Publishing bis hin zur Lesebühne »Kunstloses Brot« war für fast alle etwas dabei. Begleitend dazu finden auch diverse Ausstellungen auf dem Gelände statt. Im Anschluss zur Veranstaltung kann man die vielen Ateliers in einem Rundgang besichtigen, einen Kaffee in der Shredderei trinken und bei der gemütlichen Atmosphäre die Lesung noch einmal Revue passieren lassen.

© Matthies Kirchhof

Mit Lyriklesungen, finnischer Literatur und Diskussionen können sich die Besucher auch in diesem Jahr wieder in den Bann der Wörter ziehen lassen und durch ein informatives und unterhaltsames »Leipzig Liest« in einem künstlerischen Umfeld begeistert werden.

Beitragsbild: Das Gebäude © Matthies Kirchhof


Leseort: Tapetenwerk, Lützner Straße 91, 04177 Leipzig


Die Rezensenten:

Thorben Matthies, Paola Kirchhof

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