Düsternis meets kunterbunte Fantasy

Mechthild Gläser liest auf der langen Loewe-Lesenacht im Schille Theaterhaus aus ihrem neuen Roman »Emma, der Faun und das vergessene Buch«.

© Loewe Verlag
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Was haben Drohnen, technische Manipulationsstrategien und Dystopien mit einem Eliteinternat, einem Faun und einem sagenumwobenen Buch zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel und auch im Laufe des Abends wird der Zusammenhang zwischen diesen Themen nicht wirklich erkennbar. Auf der langen Loewe-Lesenacht lesen an diesem Abend die Autorinnen Mechthild Gläser, Margit Ruile, Ursula Poznanski und die Hörbuchsprecherin Dagmar Bittner. Während Ruile, Poznanski und Bittner düstere, geheimnisvolle Thriller und Dystopien vorstellen, die alle drei der gleichen Grundstimmung folgen und auch thematisch sehr gut zusammenpassen, liest Gläser aus ihrem kunterbunten, romantischen und etwas verträumten Jugendbuch »Emma, der Faun und das vergessene Buch«. Darin geht es um die junge durchsetzungsstarke Emma, die in der alten Bibliothek ihres Eliteinternats im Rheintal eine Art Chronik findet. Dieses Tagebuch hat jedoch ein paar verborgene Geheimnisse: Alles was in das Buch geschrieben wird, wird früher oder später Realität. Als Emma das bemerkt, will sie die Gelegenheit ergreifen und ihrem Schicksal und dem ihrer beiden besten Freundinnen etwas auf die Sprünge helfen. Dass diese Idee auch nach hinten losgehen kann, wird ihr schnell klar.

Gläsers Buch ist temporeich und fesselnd geschrieben. Die Charaktere, allen voran Emma und Darcy, der männliche Protagonist, wachsen einem schnell ans Herz und die Geschichte rund um den Faun bringt zusätzliche fantastische Elemente, die der Geschichte sehr guttun. Mechthild Gläser wollte das Buch als kleine Hommage an Jane Austen schreiben, da diese sie seit ihrer Kindheit begleitet. Auch die große alte Bibliothek, in der Emma die Chronik findet, ist für Gläser wie ein Zufluchtsort. »Alte Bibliotheken haben einen tollen Flair, es ist als würde man in ein eigenes Universum eintauchen«, meint die Autorin und zeigt dadurch auch ihre bibliophile Seite.

Die Hauptakteure der langen Loewe-Lesenacht, von links nach rechts: Dagmar Bittner, Mechthild Gläser, Margit Ruile, Ursula Poznanski und Christine Knödler. © Elisabeth Kästel
Die Hauptakteure der langen Loewe-Lesenacht, von links nach rechts: Dagmar Bittner, Mechthild Gläser, Margit Ruile, Ursula Poznanski und Christine Knödler. © Elisabeth Kästel

Das Theaterhaus Schille scheint durch seinen alten, etwas abgenutzten Charme die perfekte Location für ein Buch zu sein, das ebenfalls in altehrwürdigen Gemäuern spielt. Auch das Publikum ist zunächst begeistert von der Atmosphäre und Gläsers fesselnder Lesestimme. Sie geht mit dem Geschehen mit, wird leiser, wenn die Charaktere flüstern und traut sich auch einmal richtig loszuschreien, wenn Emma einem Löwen in freier Wildbahn begegnet. Jedoch wird Gläsers Auftritt durch die nachfolgenden Lesungen etwas überschattet, da diese Bücher dem anwesenden Publikum mehr zusagen. Auch die Autorinnen sind schon etwas erfahrener und können deshalb mehr Anekdoten aus ihrem Leben erzählen. So wird ein sehr schönes, mit Leidenschaft und Hingabe geschriebenes Jugendbuch leider etwas unter den Teppich gekehrt und findet im Laufe des Abends nur noch wenig Beachtung.

Beitragsbild: Mechthild Gläser (links) und Christine Knödler (rechts). © Elisabeth Kästel


Die Veranstaltung: Mechthild Gläser liest aus Emma, der Faun und das vergessene Buch, Dagmar Bittner liest aus Young Elites. Die Gemeinschaft der Dolche, Margit Ruile liest aus Dark Noise, Ursula Poznanski liest aus Elanus, Moderation: Christine Knödler, Schille Theaterhaus, 25.3.2017, 19 Uhr

Das Buch: Mechthild Gläser: Emma, der Faun und das vergessene Buch. Loewe, Bindlach 2017, 412 Seiten, 18,95 Euro, E-Book 14,99 Euro


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Die Rezensentin: Elisabeth Kästel

 


 

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