„Dieses Buch wollte niemand gewidmet bekommen!“

Rainer Moritz über die Unfähigkeit vieler Autoren über Sex zu schreiben

Von Maximilian Plettenberg

Wer hat den schlechtesten Sex von Rainer MoritzIch staunte nicht schlecht über den Anblick, der sich mir am Donnerstag, dem 12.März gegen 17 Uhr bot: Ein bis auf wenige Plätze voll besetzter Hörsaal! Das habe ich in meiner bisherigen Studienlaufbahn noch nicht allzu oft erlebt. Eigentlich noch nie.

An diesem Tag versammelte sich ein bunt gemischtes Publikum quer durch alle Altersklassen in der Universität Leipzig zu einer Lesung von Rainer Moritz, der sein neuestes Werk „Wer hat den schlechtesten Sex? Eine literarische Stellensuche“ präsentierte. Organisiert wurde das Ganze vom Institut für Germanistik und diesem war auch der Moderator der Veranstaltung, Dr. Markus Wiegandt, zugehörig.

Doch der sonst so kühle Hörsaal wirkte viel lebendiger als sonst. Moderator und Autor verstanden es mit ihrer humorvollen Vortragsweise von Beginn an eine lockere Atmosphäre zu schaffen. Es wurde lautstark gelacht und sicherlich war auch der eine oder andere peinlich berührt, bei dem was sich so mancherAutor literarisch beim Thema Sex leistet.

Moritz hat sich in seinem neuesten Werk die Frage gestellt, wie die Autoren im Laufe der Jahre mit der Darstellung dieser eigentlich so schönen Sache umgegangen sind. Dabei kam er insgesamt zu dem Ergebnis, dass viele Autoren extreme Schwierigkeiten haben sobald es „auf die Matratze geht.“

Als Moritz begann verschiedene Werke zu zitieren und vorzulesen, brach das große Gelächter aus. Angefangen bei den Autoren früherer Tage, die das Thema meist geschickt mit einem einfachen „am Morgen danach“ oder „zwei Stunden später“ umgingen. Manche Szenen sind äußerst kitschig, manche maßlos überzogen, in wieder anderen KOMMEN Mann oder Frau bereits nach wenigen Sekunden oder es werden im ironischen Schreibstil körperliche Gebrechen wie z.B. „Rücken“ mit hineingebracht. Es geht weiterhin um die Entkleidungsfrage, die Darstellung von Leidenschaft, vorgetäuschte Orgasmen des Mannes und verwendete Metaphern aus der Tierwelt (besonders beliebt hierbei sind übrigens Pferde, Fische und Aale). Hier führte Moritz den US-Autor James Salter an, der den Orgasmus eines Mannes folgendermaßen beschrieb:

„Er kam wie ein trinkendes Pferd.“ Wissen Sie eigentlich wie sich sowas anhört?

Wo wir schon einmal beim Thema Pferde sind: Moritz zitierte eine Umfrage, nach der Männer den Kosenamen „Hengst“ gar nicht leiden können. Manch ein Literat versuchte es auch mit Metaphern aus der Pflanzenwelt (besonders beliebt ist hierbei die Orchidee) oder aus dem kulinarischem Bereich (hier vorrangig der Vergleich des weiblichen Geschlechtsorgans mit Feigen, das Sich-Einreiben mit Butter oder Sex mit metaphorischen Äpfeln).

Insgesamt wirkten die meisten Versuche des Beschreibens von Sex tatsächlich äußerst unausgereift und komisch, so dass viele Autoren ihr Fett wegbekommen haben. Moritz hat deren oft unbeholfene oder eigenwillige Art über Sex zu schreiben, wunderbar präsentiert. Viel gelernt über verschiedene Fachausdrücke und Sexualpraktiken habe er auch: „Ich musste vieles Nachschlagen.“

Soll bloß niemand behaupten das Thema Sex sei in all seinen Facetten leicht zu durchdringen.


Zum Buch: Rainer Moritz, Wer hat den schlechtesten Sex? Eine literarische Stellensuche; DVA-Verlag, 17,99 €

Zur Veranstaltung: Rainer Moritz: „Wer hat den schlechtesten Sex? Eine literarische Stellensuche”;
Moderation: Dr. Markus Wiegandt
12. März 2015, 17.00 Uhr, Universität Leipzig (Hörsaal 2)

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