Die Vielfältigkeit des Könnens

Thorsten Sueßes Lesung zu Mord, Psychiatrie und Rotlichtmilieu.

Dr. Thorsten Sueße. © CW Niemeyer Buchverlage
Dr. Thorsten Sueße. © CW Niemeyer Buchverlage

Das Literaturforum in Halle 4 auf der Leipziger Buchmesse ist gut gefüllt. Für viele Besucher ein angenehmer Ort, um sich im Halbstundentakt von verschiedensten Autoren berieseln zu lassen. Aber leider keineswegs ein authentischer Leseort, da ihm jegliche persönliche Atmosphäre fehlt.

Thorsten Sueße stellt sich zu Beginn kurz selber vor. Er ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie, psychosomatische Medizin und leitet den Sozialpsychiatrischen Dienst der Region Hannover. Diese beruflichen Erfahrungen halfen ihm sehr bei seiner schriftstellerischen Arbeit. Unter anderem veröffentlichte der Autor bisher ein Fachbuch über die NS-Euthanasie sowie ein Theaterstück, unzählige Kurzgeschichten und ein Drehbuch für einen Spielfilm. Die Mannigfaltigkeit seiner Talente zeigt sich außerdem in der Nebenbetätigung als Schauspieler – sowohl im Bereich Theater, als auch bei Film- und Kinoproduktionen in diversen Sprechrollen.

© CW Niemeyer Buchverlage
© CW Niemeyer Buchverlage

Sein neustes Werk »Schöne Frau, tote Frau« ist bereits der dritte Fall mit Psychiater Dr. Mark Seifert, der mit seiner Erfahrung auf dem Gebiet der forensischen Begutachtung Mordfälle zu lösen versucht. Bereits hier zeigt sich die Parallele zu Sueßes eigenem Leben. Genau wie der Autor ist auch der Protagonist Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Hannover. Eine Mordserie bereitet ihm und Hauptkommissar Thomas Stelter Kopfzerbrechen. Ein unbekannter Mörder zieht seine Kreise durch Hannover. Tötet unschuldige, wunderschöne Frauen immer nach demselben Muster. Alle stehen in Verbindung mit derselben psychiatrischen Privatklinik und dem Hannover’schen Rotlichtmilieu. Die Motive des Mörders sind völlig undurchsichtig. Als Leser stellt man Vermutungen an, wird selbst zum Ermittler, freut sich den Täter gefasst zu haben. Am Ende jedoch die bittere Enttäuschung: Das mühsam errichtete Gedankengebäude fällt in sich zusammen. Man wurde vom Täter selbst in die Irre geführt.

Zwischen den einzelnen Passagen macht Thorsten Sueße kurze Pausen. Stellt Charaktere vor, die die Zuhörer allein durch die gelesenen Auszüge aber nicht in den Kontext der Geschichte einordnen können. Beim Lesen merkt man ihm seine Hingabe zu all seinen Protagonisten an. Er erweckt sie zum Leben. Verleiht ihnen eine Stimme. Schmückt jede einzelne Person mit Mimik und Gestik. Genau das lässt diese Lesung aufleben – seine Art des Lesens. Seine eigene Weise der Inszenierung.

Beitragsbild: Thorsten Sueße liest aus seinem neuen Roman. © Elisa Jankowski


Die Veranstaltung: Thorsten Sueße liest aus Schöne Frau, tote Frau, Leipziger Buchmesse/Forum Literatur Halle 4/Stand F100, 25.3.2017, 13.30 Uhr

Das Buch: Thorsten Sueße: Schöne Frau, tote Frau: 3. Fall mit Dr. Mark Seifert. CW Niemeyer Buchverlage, Hameln 2016, 464 Seiten, 13 Euro, E-Book 6,99 Euro


Elisa Jankowski_79451_assignsubmission_file_Jankowski_Profilbild_2016-11-06

 

 

Die Rezensentin: Elisa Jankowski

 


 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.