»Die Stille kann lauter sein als der Sturm«

Ava Reed liest in der Lesebude 2 aus ihrem Jugendroman »Die Stille meiner Worte«.

© Ueberreuter

Die Lesebude 2 ist bereits gut besucht, als Ava Reed die Bühne betritt und hinter dem Mikrofon platznimmt. Einige der Zuschauerinnen und Zuschauer haben das Buch »Die Stille meiner Worte« dabei und warten gespannt. Reed beginnt zu lesen und das Publikum wird leise, zeigt sich gefühlsmäßig angesprochen und betroffen von der Geschichte um Hannah und ihre verlorenen Worte. Sanft, zärtlich und sensibel nimmt Reed ihre Zuhörerschaft mit auf eine Reise durch schmerzhafte Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit. Sie trägt die ersten beiden Kapitel vor und erläutert grob den weiteren Verlauf der Geschichte, da sie nicht zu viel vorwegnehmen wolle.

Hannah hat nach dem plötzlichen Tod ihrer Zwillingsschwester Izzy ihre Worte verloren. Sie existiert nur noch, beobachtet und lauscht, aber schafft es nicht, ihre Gefühle verbal auszudrücken. Einzig ihre Gedanken, Stift und Papier bleiben ihr, geben ihr Halt. Durch das Schreiben von Briefen, die ihrer Schwester Izzy gelten, versucht Hannah, die Vergangenheit zu bewältigen. Das Loslassen fällt ihr schwer. Auch ihre Eltern sind tief getroffen und verzweifeln an Hannahs unnahbarem Verhalten. Nachdem ihre Resozialisierungsversuche scheitern, sehen sie nur noch einen Ausweg, um Hannah zu helfen. Sie beschließen, ihre Tochter auf der Schule »Sankt Anna« anzumelden. Hannah fühlt sich durch diese Aktion abgeschoben und gänzlich verloren, glaubt nicht, dass sie ihre Worte je wiederfinden könnte.

Ava Reed © Ava Reed

Mit ihrem Roman »Die Stille meiner Worte« hat Ava Reed ein Meisterwerk geschaffen, das sich mit den Themen Abschiedsschmerz und Vergangenheitsbewältigung auseinandersetzt. Durch detaillierte, treffende Beschreibungen und außerordentlich differenzierte Ausdrucksweise gelingt es Reed, mit Worten zu malen, die Leserinnen und Leser zu berühren oder sie für unbekannte Situationen zu sensibilisieren. Man brauche sich seiner Gefühle nicht zu schämen – jedes Gefühl zu seiner Zeit sei richtig und müsse auch akzeptiert werden. Eine zerbrochene Seele könne sich aus bewahrten und wertgeschätzten Scherben wieder zusammensetzen, wenn man Hilfe zulasse. Es geht darum zu lernen, Erinnerungen zu umarmen, mit ihnen Frieden zu schließen und sie schließlich in Liebe anzunehmen. Das Verharren bei den Erinnerungen in der Vergangenheit lasse die Gegenwart im Nebel verhüllt. Es bestehe keine Möglichkeit, die Zeit zurückzudrehen. Es gelte, den Augenblick zu nutzen und Kraft aus dem Jetzt zu schöpfen.

Ava Reed hat sich intensiv mit dem Thema des Trauerns befasst, sich bezüglich des Verarbeitungs- und Bewältigungsprozesses mit einem Ärzteteam ausgetauscht und bei medizinischen Fragen beraten lassen. Es ist bewundernswert, wie sie eine solche Thematik so präzise, authentisch und einfühlsam vermittelt. »Die Stille meiner Worte« ist ein Buch für Menschen, die die Vielfalt von Gefühlen wertschätzen und sich der Kraft der Worte bewusst werden möchten.

Beitragsbild: Ava Reed liest aus ihrem Jugendroman »Die Stille meiner Worte«. © Leoni Schwenker


Die Veranstaltung: Die Stille meiner Worte: Die Autorin präsentiert die berührende Geschichte von Hannah und Levi, Lesebude 2, Buchmesse Halle 2, 17.3.2018, 10.30 Uhr

Das Buch: Ava Reed: Die Stille meiner Worte. Ueberreuter, Berlin 2018, 320 Seiten, 16,95 Euro, E-Book 14,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Leoni Schwenker

 


 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.