Die naTo – Ort künstlerischer Experimente in Leipzigs Süden

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Von Andreas Parnt

Die Geschichte der naTo reicht bis ins Jahr 1949 zurück. In der Lücke einer Häuserzeile, welche durch die zerstörende Kraft des Krieges entstanden war , wurde ein Holzpavillon für die Nationale Front (ein überparteilicher Zusammenschluss der SED mit den sogenannten Blockparteien) errichtet. Dieser diente als Ort für politische Versammlungen und als sozialpolitisches Zentrum. Während des Aufstandes am 17. Juni 1953 ging der hölzerne Bau in Flammen auf. Auf den verkohlten Überresten wurde der bis heute erhaltene Steinbau in der Karl-Liebknecht-Straße Nr. 46 erbaut. In den 1960er und 1970er Jahren entwickelte sich das Haus zu einem Anlaufpunkt für alle kulturbegeisterten Leipziger. Unter anderem wurden Tanzabende organisiert. Des Weiteren wurden die Räumlichkeiten für Filmvorführungen genutzt.

Das Jahr 1982 gilt als Geburtsstunde der heutigen naTo. Eine neu entstandene Organisationsgruppe sorgte dafür, dass mindestens einmal im Monat größere Projekte wie Jazzkonzerte, musikalisch-literarische Abende oder experimentelle Tanz- und Performance-Veranstaltungen im Haus stattfanden. Die oft jungen Menschen konnten ihren Traum von selbstbestimmten Veranstaltungen zumindest ein Stück weit verwirklichen. Das Kulturhaus machte sich im Laufe von zwei bis drei Jahren über die Grenzen Leipzigs hinaus einen Namen und zog immer mehr engagierte Leute an. Damit begann endgültig eine neue Zeit für das Haus.

In den Wendewirren im Herbst 1989 waren neben den Millionen DDR-Bürgern auch viele kulturelle Einrichtungen schlichtweg überfordert. Ungeahnte Möglichkeiten taten sich plötzlich auf, gepaart mit einer nie für möglich gehaltenen neu gewonnenen Freiheit. Künstler aus aller Welt brannten darauf, in der scheidenden DDR aufzutreten zu können. Nicht verwunderlich, dass diese von den welthungrigen Menschen mit offenen Armen empfangen wurden. Der Leipziger Süden verfügte über eine besonders lebendige Kulturszene. Seine Wegbereiter und Mitstreiter waren offen für all jenes, was ihnen zuvor so gnadenlos verwehrt geblieben war. Für die nun folgende kulturelle Ausrichtung der naTo wurden direkt nach dem Zerfall der DDR die entscheidenden Weichen gestellt. Neben den sattfindenden Partys und Konzerten wurden vermehrt Theaterstücke aufgeführt.

Auch im Bereich der Literatur hat sich die naTo als ein wichtiger Veranstaltungsort etabliert. Dies geschah nicht zuletzt durch die zahlreichen Lesungen, welche während der Leipziger Buchmesse im Rahmen des Lesefests „Leipzig liest“ oder innerhalb des Leipziger Literaturfestivals „Leipziger Literarischer Herbst“ jährlich stattfinden. Die Macher der naTo verstehen sich als „leidenschaftliche Anstifter von künstlerischen Experimenten“. Das Haus ist täglich geöffnet und ein Anlaufpunkt für kulturell und politisch interessierte Menschen aus Leipzig und darüber hinaus, unabhängig von Geschlecht, Alter, sozialem, ethischem oder religiösem Hintergrund.

 


Buchtipp:

Falk Elstermann, Torsten Hinger (Herausgeber): 30 Jahre naTo – Das Buch.

Leipzig: Passage-Verlag 2013

ISBN-10: 3-95415-011-5

Preis: 19,90€

 

Die naTo im Internet: http://nato-leipzig.de

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