Die Kunst des Büchermachens

Das Auge liest mit — warum auch Freunde des Designs die Buchmesse besuchen sollten

Wo wird die Kunst von morgen produziert? Hinter den dicken Gemäuern der Hochschule für Grafik und Buchkunst in der Wächterstraße verbirgt sich eine Mischung aus Zeitgeist und Kreativität. Die Studierenden der HGB stehen für junge und experimentierfreudige Kunst — zuletzt provozierten sie im Februar bei der traditionellen Rundgangsausstellung. Alle Räume blieben leer, um auf die problematische Hochschulpolitik Sachsens aufmerksam zu machen. Für alle Kunstmuffel: Die HGB ist außerdem für ihre ausufernden Partys bekannt. Ein Besuch lohnt sich also immer.

Neben den zahlreichen Verlagen, Self-Publisher und jungen Autor*innen ist auch die fest in Leipzig verankerte Institution auf der Buchmesse vertreten. Besonders das hauseigene Institut für Buchkunst fördert die Produktion von Publikationen, als Neuerscheinung wird dieses Jahr der Band „Weltall Erde Mensch #23 von Tobias Klett und Lea Kolling zu bewundern sein: Ein Bildessay mit enzyklopädischen Einträgen und Textbeiträgen rund um die ewige Frage nach dem Ursprung des Lebens. Bei den Büchern aus den Werkstätten der HGB wird großer Wert auf das gestalterische Konzept gelegt. Hinter einem Buch steckt oft viel mehr Arbeit als man vermuten darf. Gerade wegen dieser Detailversessenheit und dem Perfektionismus in Fragen der Typografie, Papierqualität, Covergestaltung oder Setzung des Textes, sind viele der HGB-Publikationen regelmäßig nominiert, zum Beispiel für den Preis der »Schönsten Deutschen Bücher«. Die HGB gibt somit einen Einblick in eine gelungene Metamorphose zwischen Buch und Kunst. Der Stand auf der Buchmesse wird in jedem Jahr von einer anderen Fachklasse persönlich konzipiert. 2019 übernimmt die Klasse Intermedia von Alba D’Urbano die Gestaltung und hat sich als Titel „Area, line, circle and cylinder“ ausgesucht. Die Klasse aus der Medienkunst steht für eine künstlerische Auseinandersetzung mit häufig politischen und kontroversen Themen, unter anderem durch mediale Installationen und Performances. Der Stand auf der Buchmesse soll somit also durch ein Zusammenspiel aus geometrischen Formen, Volumen und Räumlichkeit zu einem echten Hingucker werden — und zum Verweilen einladen. Mit der Präsentation auf der Buchmesse möchte die Hochschule nicht nur Verlage, sowie Presse auf die neuesten Veröffentlichungen der Studierenden und Lehrenden aufmerksam machen, sondern auch einen Zugang zu dem Feld des Designs und der Illustration für Besucher*innen schaffen. Da an den Besuchertagen vermehrt Schulklassen die Messe besuchen, informieren HGB-Studierende vor Ort rund um die Bewerbung und das Studium an der Hochschule.

In dem Gebäude in der Wächterstraße selbst wird es ebenfalls ein parallel zu der Buchmesse ablaufende Events geben. Der Lichthof wird sich in einen Sammelplatz für die »Indepent Publishing«– Szene verwandeln, in der Studierende aus dem In- und Ausland, aber auch unabhängige Verlage ihre Bücher präsentieren, verkaufen und mit Besucher*innen ins Gespräch kommen. Die Veranstaltung wird unter dem Motto »Its a book, its a game being played, its a role that you take«stattfinden. Am Samstagabend veranstaltet der Leipziger Verlag „Poetenladen“ außerdem seine alljährliche Lyriknacht im Festsaal der HGB. Nur ein paar Meter weiter findet im Raum 2.41. der Ausstellerabend und das Come-Together des „grafiknetzwerk“ Leipzigs statt.

Alle, die gerne an Papier schnüffeln, ein ausgeprägtes haptisches Bedürfnis besitzen oder feinster Lyrik lauschen möchten, kommen also nicht nur beim  Stöbern auf der Buchmesse, sondern auch in dem eindrucksvollen Gebäude in der Wächterstraße voll auf ihre Kosten.

 


Die Rezensentin:

 

 

 

Maren Schleimer

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