Die Geschichte eines Hochstaplers

Arno Frank liest kurz und kurzweilig aus seinem Romandebüt.

© Klett-Cotta
© Klett-Cotta

Die Glasfassade gibt den Blick frei auf das gut besuchte Café bau bau. In der Black Box findet heute die Lesung statt. Das Licht ist gedimmt und warm, der Raum nüchtern und trotzdem gemütlich. Die rund 40 Stühle füllen sich schnell, viele Besucher setzen sich deshalb auf den Boden oder bleiben hinten stehen. Ausgestattet mit ihren Gläsern, bringen die Gäste eine ungezwungene Atmosphäre mit, die sich auch auf die Lesung überträgt. Arno Frank kommt gemeinsam mit der Moderatorin Franziska Wilhelm nach vorn. Die beiden beginnen mit einem Fragegespräch zu Franks Person und gehen dann kurz auf den Inhalt des Romans »So, und jetzt kommst du« ein. Sie wirken vertraut.

Als »Bonny und Clyde in der Familienedition« beschreibt Franziska Wilhelm das Buch und Frank widerspricht nicht. Es ist die Geschichte einer Familie, die wegen der Hochstaplerei des Vaters von Ort zu Ort flüchten muss und dabei zwischen Luxus und Elend schwebt. Man könnte es aber auch als »die Liebesgeschichte zwischen seltsamen Menschen« beschreiben, wie Arno Frank meint. Letztlich ist es seine Geschichte.

Arno Frank ist Journalist – unter anderem schreibt er für die »taz« – und als solcher habe er erkannt, dass sein Leben eine gute Vorlage für einen Roman bietet. Als dann seine Mutter kurz vor ihrem Tod zu ihm sagt, er möge die Erlebnisse der Familie aufschreiben und veröffentlichen, und zwar ehrlich, verwirklicht er diese Idee.

Arno Frank. © Bernd Hartung
Arno Frank. © Bernd Hartung

Geschichten zu erfinden sei wie Schwimmen im offenen Meer, es besteht keine Chance den Grund zu sehen. Die eigene Vergangenheit festzuhalten gleicht dagegen einer Runde Paddeln im Pool. Obwohl sein Werk autobiografisch ist, wahrt Frank eine gewisse Distanz. Er spricht vom Vater, nicht von seinem Vater. Er spricht vom zwölfjährigen Protagonisten, nicht von sich. Dabei benutzt er selbst das Wort »autofiktiv«, betont aber gleichzeitig, er habe seine Erinnerungen nach bestem Wissen und Gewissen festgehalten. Der Roman erzählt ein trauriges Abenteuer und doch kann man sich seiner feinen Komik nicht entziehen. Beispielsweise dann, wenn Frank den Vater beschreibt, der nur mit einem Lacoste-Gürtel bekleidet seinem Sohn erklärt, wie er den Dummen das Geld aus der Tasche zieht.

Immer wieder öffnet sich die Tür zur Black Box und die Kneipengeräusche ziehen in den Raum. Vielleicht beschließen Arno Frank und Franziska Wilhelm deshalb, die Lesung bald zu beenden. Es bräuchten doch gewiss alle ein neues Bier. Aber eine Frage bleibt noch. Nämlich wie Frank mit seiner Vergangenheit umgeht? »Ich habe Angst vor Geld. Und vor der Polizei. Also nur Kleinigkeiten.« Zu seinem Vater haben er und seine Geschwister keinen Kontakt.

Beitragsbild: Arno Frank (links) und Franziska Wilhelm (rechts). © Juliane Trinks


Die Veranstaltung: Arno Frank liest aus So, und jetzt kommst du, Moderation: Franziska Wilhelm, Café bau bau, 23.3.2017, 21.30 Uhr

Das Buch: Arno Frank: So, und jetzt kommst du. Klett-Cotta, Stuttgart 2017, 352 Seiten, 22 Euro, E-Book 17,99 Euro


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Die Rezensentin: Juliane Trinks

 


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