Die andere Seite des Regenbogens

Tanja Rast und Dahlia von Dohlenburg präsentieren Geschichten über homosexuelle Liebe mit Fantasy-Elementen.

Die meisten Stühle auf dem grünen Plastikgras des »Read & Meet«-Areals sind unbesetzt, als Dahlia von Dohlenburg und Tanja Rast sich vor ihrer Lesung fotografieren lassen. Doch etwas fehlt noch. »Sian muss auch mit drauf!«, erklärt Rast und hebt ihr Tablet hoch. Darauf erkennt man ein Buchcover, das einen muskulösen, spärlich bekleideten Mann zeigt, der den Zuschauer mit Schlafzimmerblick anzulächeln scheint.

Die Veranstaltung trägt den Titel »Que(e)r durch die Fantasy«, aber es handelt sich nicht um einen Querschnitt durch die Geschichte der LGBT+ Repräsentation in Fantasyromanen. Stattdessen stellen Rast und Dohlenburg jeweils einen ihrer selbst veröffentlichten Romane vor. Sie gehören zum Autorenkollektiv »Die Uferlosen«, welches sich auf das Genre »Gay Romance« festgelegt hat, wie auch die regenbogenfarbenen Kärtchen bezeugen, die Dohlenburg und Rast an ihren Jacken befestigt haben.

Die Autorinnen bei der Lesung © Milena Wein

Während das fast ausschließlich weibliche Publikum das Strickzeug oder die Handys hervorholt, stellt Rast ihr Werk »Meisterdiebe. Der Magie verfallen VII« vor. »Ich hab‘ Elfen mit dabei, ich hab‘ Edelsteine mit dabei«, fasst die Autorin den Fantasy-Aspekt ihres Buches schnell zusammen. Dann liest sie eine Szene vor, in der der bereits erwähnte Sian einem jungen Elfen das Leben rettet, wobei die außergewöhnliche Attraktivität beider Männer weitschweifig beschrieben wird. Rast liest mit kräftiger Stimme, aus der man den Selbsthumor einer Frau heraushören kann, die ihr bevorzugtes Genre gern als »Schmachten und Schlachten« bezeichnet. Die Zuhörer schmunzeln und kichern vereinzelt. Mit großer Weltliteratur hat hier wahrscheinlich niemand gerechnet, aber Rast weiß ihr Publikum zu unterhalten.

Anders sieht es bei Dahlia von Dohlenburg aus, die anschließend aus »Meerjungmänner küsst Mann nicht« liest. Die homoerotische Adaption von Andersens »Kleiner Meerjungfrau« erinnert wegen Dohlenburgs kindlich verstellter Stimme und dem tierischen Sidekick des Protagonisten (einer Flunder namens Fiete) vor allem an den Disneyfilm »Arielle«. Erotische Spannung will nicht so recht aufkommen, was auch an der sichtlichen Nervosität der jungen Autorin liegen mag.

Die Lesung, obwohl spärlich besucht, demonstriert, wie bunt die Leipziger Buchmesse sein kann. Eine halbe Stunde nachdem im Forum Sachbuch über den Mangel an LGBT+ Charakteren in der deutschen Literatur diskutiert wurde, findet man hier nun eine ganze andere Form der Repräsentation. Homosexuelle Liebe tritt als besonders dramatische Spielweise des Romanzen-Genres auf, geschrieben überwiegend von und für heterosexuelle Frauen. Ein garantiertes Happy End und Protagonisten, die ebenso phantastisch sind wie das Setting, bedienen das Bedürfnis nach Eskapismus und leichter Unterhaltung. Mit der Lebensrealität homosexueller Menschen hat dies jedoch wenig zu tun. »Niemand versteht mich«, klagt der Protagonist Iain in »Meerjungmänner küsst Mann nicht« und so manche Person, die sich dem queeren Spektrum zugehörig fühlt, mag sich ihm nach der Konfrontation mit dieser Form der Literatur anschließen.

Beitragsbild: Tanja Rast (links) und Dahlia von Dohlenburg (rechts) stellen ihre Romane vor. © Milena Wein


Die Veranstaltung: Que(e)r durch die Fantasy. Read & Meet, Halle 5, 15.3.2018, 16.30 Uhr

Die Bücher:

  • Dahlia von Dohlenburg: Meerjungmänner küsst Mann nicht. Independently published, 2017, 194 Seiten, 9,99 Euro
  • Tanja Rast: Meisterdiebe – Der Magie verfallen VII. Noch nicht erschienen.

 

 

Die Rezensentin: Milena Wein

 


 

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