Der Mann mit dem Hut oder Napoleons Vermächtnis

Günther Müchler liest auf der Leipziger Buchmesse aus seinem neuesten Buch »Napoleon: Revolutionär auf dem Kaiserthron«.

Napoleon ist ein Begriff, eine Marke. In der Schule werden die französische Revolution und die Befreiungskriege umfangreich behandelt. Doch wer war dieser Mann? Und wie hat er es geschafft, trotz aller Widrigkeiten seine Position zu sichern? Napoleon Bonaparte erbte einen Krieg, er hatte ihn nicht begonnen. Doch für Günther Müchler sind nicht seine militärischen Erfolge seine größte Leistung – der Aufbau des modernen Staatswesens in Frankreich und die Beseitigung des Bürgerkriegs stehen für ihn im Vordergrund. Und genauso betrachtet ihn Müchler auch: als einen Visionär, ein Genie und den gewaltigsten Gesetzgeber der Neuzeit.

© wbg Theiss

Auf der Buchmesse stellt Müchler sein neu erschienenes Buch mit zwei charmant gelesenen Auszügen und allerlei beantworteten Fragen vor. Kann man Napoleon als Katalysator, als einen Geburtshelfer des deutschen Nationalbewusstseins betrachten? Der studierte Historiker und Journalist lässt uns an seinem umfangreichen Frankreichwissen teilhaben und spickt die Biographie mit vielen liebenswerten Details aus. Das Bild, die Marke Napoleon wird in ein völlig neues Licht gerückt. Und ja, er war ein Wegbereiter der föderativen, nationalstaatlichen Entwicklung Deutschlands. Wenn man dazu noch die Etymologie des Wortes »Vaterland« betrachtet, findet man die Anspielung des »Geburtshelfers« vielleicht nur noch halb so verwunderlich. Es gab tatsächlich »Keine Preußische Reformzeit ohne Napoleon – Zitat Bonaparte: ›Die Hunde haben gelernt. ‹«

Müchlers Buch hebt sich positiv von den anderen Napoleon-Biographien ab. Bei dem vielseitigen Angebot könnte es passieren, dass man ihn übersieht – das wäre allerdings ein Fehler. Zwar geht er chronologisch vor, greift aber an einigen Stellen mit der Handlung in die Zukunft, wenn es hilft, einen Charakter oder eine Situation zu erklären. Vorwissen ist nicht zwingend notwendig, kann zum Verständnis aber positiv beitragen. Witzige Anekdoten wie der bekannt Zweispitz, der aschgraue Mantel und warum der angeblich kleine Mann eben doch ganz groß war, machen dieses Werk so unterhaltsam wie einen Roman.

Nach 1814 war nichts von Napoleons großen Siegen übrig(geblieben) – denn keine noch so große militärische Meisterleistung hat Bestand, wenn man einer übermächtigen Koalition gegenübersteht. Doch als man ihn auf St. Helena fragte, was denn sein größter Erfolg war, antwortete Napoleon mit dem »Code Civil«. Wem das noch nichts sagt, der sollte unbedingt seine Nase in dieses Buch stecken.

Autor Günther Müchler (rechts) und Interviewer Herr Zimmermann (links). © Sarah Götze


Die Veranstaltung: Günter Müchler liest auf der Buchmesse aus seinem Roman »Napoleon: Revolutionär auf dem Kaiserthron«, 22.3.2019, 11.00 Uhr

Das Buch: Günter Müchler: Napoleon: Revolutionär auf dem Kaiserthron. wbg Theiss, Darmstadt 2019, 624 Seiten, 24,00 Euro, E-Book 19,99 Euro


Die Rezensentin: Sarah Götze

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