Der Märchenerzähler

Lesung mit Andreas vom Rothenbarth

von Verena Lang

Es gibt sie jedes Jahr und sie gehören zur Leipziger Buchmesse wie die farbenfrohen Plastiktaschen der großen deutschen Fernsehsender: kuriose Gestalten. Einige dieser Gestalten sind so seltsam, dass man sich gar nicht erst eine Meinung erlaubt, andere wiederum sind ein wahrer Schatz. Zu diesen zählt der Märchenerzähler Andreas vom Rothenbarth. Das Theater der jungen Welt veranstaltet mit eben diesem wundersamen Mann eine Lesung am Messefreitag, 12 Uhr, in ihrem kleinen, schnell gefüllten Theaterbus.

Märchen – man möchte meinen, das lockt nur die ganz Kleinen an. Doch weit gefehlt. Die Mehrheit der gespannt lauschenden Besucher machen Jugendliche aus, ein paar ihre Kinder begleitende Mütter und auch einige etwas älteren Semesters.

Andreas vom Rothenbarth, geboren 1957, gelernter Diplom-Informatiker, hatte sich sein Leben lang mit Informationstechnologie auseinandergesetzt, bis er sich auf die ursprüngliche Form der Kommunikation zurückbesann: dem „Erzählen von Geschichten zwischen Menschen, die einander dabei in die Augen sehen. Ich halte das Erzählen für die Urform der Kommunikation, die zugleich beständiger und wichtiger als Internet, Mobile-Phone und Fernsehen ist, denn hierbei sind es stets lebendige Menschen, die miteinander umgehen und sich aufeinander einlassen. Und Menschen, die einander ihre Märchen und Geschichten erzählt haben, werden nur noch ungern gegeneinander kämpfen oder Krieg führen.“ Das Märchen als Friedensbotschafter.

Vom Rothenbarth betritt den bunt bemalten Bus, der viel zu klein für diesen Mann ist, und es wird sofort still (abgesehen von einem ehrfürchtigen „Wooow“ hinter mir). Komplett in schwarz gekleidet, imposanter Bart, die Stimme tief und sonor. Könnte man sich einen Märchenerzähler basteln – so würde er aussehen.IMG_20150313_122714_edit

Er fängt sofort an, erst mit einigen kurzen Märchen, die er im Laufe seines Lebens sammelte und die rund um den Erdball stattfinden. So beginnt er mit einem Märchen aus China, das von einem reichen Bauern erzählt, der einem Bettler nichts von seinen Birnen abgeben wollte. Dieser war jedoch ein Zauberer und ehe sich der Bauer versah, war er natürlich bettelarm – das kommt davon, wenn man geizig ist.

Andere Geschichten sind da schon eine Spur skurriler, gespickt mit einem Hauch schwarzen Humors – zum Beispiel das von dem Fräulein Maus, das einen Kater heiratete und am Ende gefressen wird. Blöde Idee. Welche Maus, die bei Trost ist, heiratet denn schon einen Kater?

Andere wiederum vermag Andreas vom Rothenbarth magisch und ergreifend vorzutragen und auch manchmal eine Spur politisch – wie in einem von ihm selbst geschriebenen Märchen, welches von einem Land handelt, in dem sieben Feen regieren, jede an einem Wochentag. Am Montag regiert die rote Fee – an diesem Tag ist das ganze Land rot. Am Dienstag die orangene Fee – an diesem Tag ist alles orange. So geht es weiter mit der grünen, blauen, indigofarben und lilafarbenen Fee, bis sie eines Tages merken, dass die Menschen in ihrem Land traurig sind. Es geht ihnen schlecht – alles ist einfarbig, trist und sie vermissen am meisten die Ruhe der Schwärze bei Nacht. Dem wird sofortige Abhilfe geschaffen, die Regenbogenfee wird geboren, die Welt wird bunt, es gibt eine Nacht und den Menschen geht es wieder gut.

Die Geschichten Rothenbarths mögen einfach sein – doch wenn dieser Mann sie vorträgt, hört ihm jeder zu. Egal ob mit 5 Jahren, 15, 25 oder 50. „Es reicht nicht, Märchen nur zu lesen, sie müssen erzählt werden. Nur durch das gemeinsame Erleben beim Erzählen entfalten sie ihre tiefe Wirkung“, so vom Rothenbarth. Dieser Mann vermag durch seine Geschichten tatsächlich alle anzusprechen. Und das ist eine wahre Kunst.


Zum Buch: Andreas vom Rothenbarth; Die Regenbogenfee; Mugler Druck; 10,00 €

Zur Lesung: „Viele Farben hat die Welt“ mit Andreas vom Rothenbarth; Theaterbus des Theaters der Jungen Welt, Halle 2, Stand C401; 13. März; 12 Uhr

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