Der Cocker Spaniel und sein Knecht

Florian Werner stellt im Sachbuchforum seinen tierisch philosophischen Sammelband »Die Weisheit der Trottellumme: Was wir von Tieren lernen können« vor.

Was hat der, unrühmlich als hässlichstes Tier der Welt bekannte, Nacktmull mit dem großen Philosophen Arthur Schopenhauer zu tun? Was hat das Kollektivverhalten eines Bienenvolks mit dem Herrschaftsdiskurs des Soziologen Jürgen Habermas gemein, das Krokodil mit fernöstlichen Lebensweisheiten und das Känguru mit den Ansichten des französischen Vordenkers Jean-Jacques Rousseau? Diesen und weiteren Fragen widmete sich der Musiker, Fußballautorennationalspieler und Schriftsteller in Personalunion Florian Werner alle paar Monate im Philosophiemagazin. In 31 Kapiteln sind seine kurzweiligen Abhandlungen nun in gebundener Form unter dem Titel »Die Weisheit der Trottellumme – Was wir von Tieren lernen können« erschienen. Auf der Buchmesse stellt Werner das Buch vor und erklärt auch gleich, was es mit Schopenhauer und dem Nacktmull auf sich hat.

© Blessing Verlag

Schopenhauers Parabel »Die Stachelschweine« handelt von einer Gruppe der piksenden Nagetiere, die an einem eisig kalten Wintertag einem Dilemma ausgesetzt ist. Die Kälte lässt die Tiere zusammenrücken, um Wärme zu speichern. Das hat jedoch zur Folge, dass sie sich mit ihren Stacheln gegenseitig verletzen. Mit der Zeit lernen die Schweine, einen Abstand zueinander einzuhalten, der einen Kompromiss aus wohltuender Wärme und stachelbedingtem Schmerz bietet. Nach Schopenhauer versuche auch der Mensch, in einem vergleichbaren Spannungsfeld sozialer Vor- und Nachteile, sich seinen Mitmenschen gegenüber angemessen zu nähern. Den gemeinen Nacktmull jedoch betreffen diese Probleme keineswegs. Denn seiner Haut fehlt ein spezielles Enzym, was ihn nahezu schmerzresistent macht. Er könnte sich voller Inbrunst inmitten einer Gruppe Stachelschweine einkuscheln, ohne sich um deren lange Stacheln Gedanken machen zu müssen. Stellen Sie sich vor, den Menschen würde ein vergleichbares Molekül vor den schlechten Eigenschaften seiner Mitmenschen bewahren.

Animalische Sonderheiten wie diese sammelt Florian Werner und bringt sie in einen humorvoll-philosophischen Kontext. Mit der Moderatorin und Philosophie-Journalistin Jutta Person wird ein bisschen über die Sinnhaftigkeit des sogenannten Anthropomorphisierens diskutiert, also der Zuschreibung menschlicher Eigenschaften auf Tiere. Demgegenüber stehe quasi die Vertierlichung des Menschen, wie Werner erklärt. Beide Richtungen haben ihre Daseinsberechtigung, aber sollten nicht bis ins Letzte ausgereizt werden. Ein paar denkerisch, moralische Möglichkeiten habe der Mensch dann doch, die ihn signifikant von Löwe, Maus und Trottellumme unterscheiden. Aber eben auch ein paar Gemeinsamkeiten.

Am meisten gelernt habe Werner von seinem Cocker Spaniel. Die Brücke von Werners Vierbeiner zum nächsten großen Denker ließ natürlich nicht lange auf sich warten: Haben Sie sich mal gefragt, wer eigentlich der Knecht und wer der Herr in der Beziehung von Hund und Herrchen ist? Erscheint das Herrchen seinem Hund nicht ebenso gehorsam, wie umgekehrt, wenn dieser das Stöckchen voller Kraft wegschleudert, sobald man es ihm reicht? Für Friedrich Hegel wäre das ein Beispiel eines dialektischen Verhältnisses par excellence.

Beitragsbild: Florian Werner bei der Vorstellung seines neuen Buchs. © David Seeberg


Die Veranstaltung: Florian Werner im Gespräch mit Jutta Person. Was wir von Tieren lernen können. Sachbuchforum, 16.3. 2018, 12.30 Uhr

Das Buch: Florian Werner: Die Weisheit der Trottellumme. Was wir von Tieren lernen können. Blessing Verlag, Wien 2018, 200 Seiten, 18 Euro, E-Book 13,99 Euro


 

Der Rezensent: David Seeberg

 

 


 

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