Das schrille und das stille Japan

Dennis Gastmann liest aus seinem neuen Buch »Der Vorletzte Samurai« im Blauen Salon des Leipiger Central Kabarett.

© Rowohlt Berlin

»RO-BO-TO, RO-BO-TO RESUTORANG!« schreit Autor Dennis Gastmann, während er aus seinem Abenteuer in Japan vorliest. Was er soeben mit wilder Gestik und lauter Stimme imitiert hat, sei der Begrüßungsschrei eines Roboters im Eingang des Roboter-Restaurant in Tokyo. Wenn man das nicht gesehen habe, habe man Japan nicht gesehen. Zumindest habe man das ihm so gesagt. Uns, dem Publikum, rät er jedoch von einem Besuch ab. Dieses Restaurant sei einfach nur schrill, skurril und so überhaupt nicht wirklich Japan. Man findet darin auch keinen japanischen Gast, sondern nur Touristen.

Dennis Gastmann zeigt ein paar Videos und Fotos von seiner Japanreise. Diese Reise beginnt als Honeymoon, einer Hochzeitsreise, bei der japanischen Verwandtschaft seiner Frau Natsumi. Natsumi ist eine Halbe, wie die Japaner sagen: halb japanisch, halb deutsch und in beiden Ländern aufgewachsen. Nach ihrer Hochzeit lernt Dennis Gastmann nicht nur Natsumis Familie, eine alte Samuraifamilie, sondern auch das schrille und das stille Japan kennen. Schrill, wie das Roboter-Restaurant, welches vor allem durch eine gewaltige Show mit Kostümen und Lasereffekten besticht. Still, wie der Moment als er und Natsumi über das drittschönste Lichtermeer der Welt schauen. Zwischen schönen Landschaften und Großstädten voller Neonreklame lernt Dennis Gastmann beide Seiten Japans kennen und lieben.

Dennis Gastmann. © Axel Martens

Er sieht mehr als ein einfacher Tourist, erlebt vielleicht auch mehr als ein einfacher Gaijin, ein Fremder, der die Sitten und Gepflogenheiten nicht kennt, weil er Natsumi an seiner Seite hat. Selbst spricht Dennis Gastmann kein japanisch, denn das ist die Geheimsprache seiner Frau. Und so landen sie zufällig in einem Touristenort, fernab der Touristen, in einer Kneipe, die wahrscheinlich noch nie ein Gaijin zuvor von innen gesehen hat. Dennis Gastmanns Gespräche innerhalb der Kneipe bestehen nur aus den Namen deutscher und japanischer Sportler, die er sich mit ein paar betrunkenen Geschäftsmännern hin und her wirft. Er imitiert für uns die Aussprache der Japaner, die sich mit den deutschen Namen ziemlich schwertun und gibt dabei zu, dass auch seine Aussprache der japanischen Namen nicht besonders gut war.

Dennis Gastmann schließt seine Lesung mit einer Geschichte, die ihn sehr berührt hat. Nach seinen schrillen Geschichten auch eine stille Geschichte. Natsumi und er besuchten eine Tante Natsumis, die angeblich seit mehr als 30 Jahren deutsch lernt, aber noch nie ein Wort deutsch gesprochen habe. In ihrem Wohnzimmer hingen allerlei Karten und Fotos der Länder, die sie einmal zusammen mit ihrem Mann bereist hat. Auf den Landkarten ist jede besuchte Stadt eingekringelt und zu Dennis Gastmanns Erstaunen ist auch seine Geburtsstadt eingekreist. Als ihm seine Frau dann erzählt, dass sie nicht wirklich da gewesen seien, sondern es nur für ihn markiert haben, ist er schlichtweg ergriffen. »Eine japanische Familie sei wie ein Herz. Man lässt nur die hinein, die auch für immer bleiben.« Zum Abschied winken ihm Tante und Onkel und verlieren beide doch noch deutsche Worte. »Gute Reise,« sagt der Onkel, »Entenfamilie« die Tante und beide winken ihnen hinterher.

Beitragsbild: Dennis Gastmann. © Marleen Plaaß


Die Veranstaltung: Dennis Gastmann liest aus „Der vorletzte Samurai“, Blauer Salon, 15.3.2018, 21 Uhr

Das Buch: Dennis Gastmann: Der vorletzte Samurai – Ein Japanisches Abenteuer. Rowohlt, Berlin, 2018, 256 Seiten, 19,95 Euro, E-Book 16,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Marleen Plaaß

 


 

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