Das Mosaik des Lebens

Marina Achenbach liest aus ihrem Debütroman »Ein Krokodil für Zagreb«.

Es ist ein Mosaik, das die Autorin Marina Achenbach und Katharina Florian vom Verlag Edition Nautilus am Samstagnachmittag auf dem Forum »Die Unabhängigen« vorstellen. »Ein Krokodil für Zagreb« ist eine Ansammlung von Kapiteln, die wie Mosaiksteine gelegt sind. Die Reihenfolge wirkt auf den ersten Blick wirr und die verschiedensten Steine liegen nebeneinander, aber am Ende bilden sie zusammen ein Gesamtbild: die Geschichte der Familie Achenbach. Seka und Ado Achenbachs Mosaik zieht sich durch ganz Europa, zunächst durch die blaue Adria, dann durch die graue Ostsee, das braune Arbeitslager und die Röte des Kommunismus.

© Edition Nautilus
© Edition Nautilus

Die Autorin, die vorher Dokumentarfilme drehte und Kolumnen schrieb, präsentiert ihren ersten Roman mit den Worten: »Ich habe lange davon geträumt, einmal ohne Grenzen zu schreiben.« Die Zeit ist knapp und Achenbach beginnt, mit ruhiger Stimme zu lesen. Sie skizziert den Beginn der Liebe zwischen ihren Eltern, schildert die Gefühle einer Sehnsüchtigen an einem fremden Ort und vermittelt in einem dritten Leseauszug anhand des Besuches ihrer Mutter bei dem im Arbeitslager festgehaltenen Ado große historische Vorgänge durch private Erlebnisse ihrer Familie. Sie macht deutlich, was »Ein Krokodil für Zagreb« ausmacht, nämlich bedingungslose Liebe, die Suche nach einem Zuhause und die massiven Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. Zwischen den Auszügen fragt die zierliche Autorin in der knallroten Jacke: »Darf ich noch etwas lesen?« Der Applaus des Publikums nach dem letzten Abschnitt beweist ihr, dass diese Entscheidung richtig gewesen ist.

»Wie sind diese Geschichten zu dir gekommen?«, fragt die Moderatorin Achenbach und letztere antwortet, dass sie das Buch aus ihren Erinnerungen geschrieben habe, manches könne sie Wort für Wort abspulen. Die halbe Stunde in der geräuschvollen Messehalle ist zu kurz bemessen, um neben Achenbachs Lesung ausreichend Raum für Fragen zu bieten, aber sie überzeugt das überwiegend ältere Publikum, das nach der Lesung den Büchertisch leerkauft, von ihrem Roman.

Achenbach hat es in 30 Minuten geschafft, Lust auf 90 Jahre Familiengeschichte zu wecken. Und auch ich stehe inmitten des Messetrubels und denke an die 24-jährige Seka, die am Ostseestrand steht, und vor ihr liegt dieses unbekannte Meer und »sie tastet den Horizont ab, der Blick kann sich nirgends halten«.

Beitragsbild: Marina Achenbach (links) und Katharina Florian (rechts). © Hanna Komischke


Die Veranstaltung: Marina Achenbach liest aus Ein Krokodil für Zagreb, Moderation: Katharina Florian, Forum Die Unabhängigen, 25.3.2017, 16 Uhr

Das Buch: Marina Achenbach: Ein Krokodil für Zagreb. Edition Nautilus, Hamburg 2017, 224 Seiten, 19,90 Euro


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Die Rezensentin: Hanna Komischke

 


 

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