Bitte keine Schubladen

Anne Freytag liest aus ihrem neuen All-Age-Roman.

»Es ist ein Roman über zwei Mädchen, die sich ineinander verlieben. Und fertig.« So einfach sollte es sein, wenn es nach Anne Freytag geht und trotzdem empfand sie es als notwendig, diesen Roman zu schreiben. Denn der Mensch neige dazu, in Schubladen zu denken und so sei es »leider« auch in diesem Fall. »Es soll aber weder ein Lesbian-, Gay-, Bisexual- noch Transgender-Roman sein«, stellt sie gleich zu Beginn klar.

© Michael Tasca / Studio Tasca
© Michael Tasca / Studio Tasca

Für Freytag ist »Den Mund voll ungesagter Dinge« bereits der zweite All-Age-Roman nach »Mein bester letzter Sommer«, der gerade erst auf der Leipziger Buchmesse für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 nominiert worden ist. Dementsprechend groß ist die Vorfreude auf ihr neues Buch. Die Plätze der Leseinsel in Halle Zwei sind auch zur frühen Uhrzeit von Schülerinnen und Schülern sowie von Journalisten und Bloggern besetzt. Für alle Nachzügler bleibt der Boden eine gern genutzte Alternative. Während der Lesung ist der Messetrubel nicht vollständig auszublenden, aber Freytag schafft es, mit ihrer Erzählweise ein Stück weit Abstand zu gewinnen. Sie übernimmt mit überzeugender Betonung die Rolle der Ich-Erzählerin und Protagonistin Sophie, einer trotzigen 17-jährigen Teenagerin, die gegen ihren Willen und für die große Liebe ihres Vaters nach München ziehen muss. Liebe – das ist für Sophie ein Fremdwort. Dies ändert sich erst, als sie in der neuen Stadt ihre Nachbarin Alex trifft. Freytag liest über das Kennenlernen der zwei und die ersten Annäherungen.

Handlungstechnisch passiert nicht viel, aber das ist nicht notwendig. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklungen der Charaktere Sophie und Alex, ihre Ängste und Zweifel: Sind sie normal? Muss man das sein? Existiert dieses Normal überhaupt? Das sind Fragen, mit denen sich die Zuhörer und Leser identifizieren können, auch wenn sie nicht lesbisch sind.

Anne Freytag berichtet, dass sie oft gefragt wurde, ob es ihr schwergefallen sei, über zwei Mädchen zu schreiben. »Nein«, sagt sie überzeugt. »Das ist das Schöne an Liebe. Sie schert sich nicht um unsere Meinung. Liebe verbindet, bringt Menschen zusammen – das ist ihre Natur.« Freytag vermittelt, dass es nicht wichtig sei, wer sich in wen verliebe, sondern was dieses Gefühl in einem auslöse. Und gerade deshalb passt dieses Buch in keine Schublade.

Beitragsbild: Anne Freytag während der Lesung © Anja Kalz


Die Veranstaltung: Anne Freytag liest aus Den Mund voll ungesagter Dinge, Leipziger Buchmesse, 24.3.2017, 10.30 Uhr

Das Buch: Anne Freytag: Den Mund voll ungesagter Dinge. Heyne fliegt, München 2017, 400 Seiten, 14,99 Euro


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Die Rezensentin: Anja Kalz

 


 

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