Behind the book: Interview mit der PR-Referentin Jana Krimmling

Willkommen zurück bei »Behind the book«! Diese Woche trifft unsere Redakteurin Katharina Hoppe die PR-Referentin des Mitteldeutschen Verlages Jana Krimmling und fragt nach den schönen und schwierigen Momenten ihres Berufsalltags.

Was bedeutet Presse-und Öffentlichkeitsarbeit für dich?

© Jana Krimmling

Allgemein gesprochen ist die PR das Sprachrohr eines Unternehmens und gibt ihm ein Gesicht. Man versucht, die Produkte mit Hilfe verschiedener Medien wie Zeitung und Fernsehen an die Öffentlichkeit zu tragen, damit möglichst viele darauf aufmerksam werden. Beim Verlag produzieren wir mit dem Buch ein spezielles Produkt, mit dem sich viele Menschen identifizieren können. Dadurch, dass es ein Kulturgut ist und die Kulturbranche finanziell immer ein wenig im Schwanken ist, müssen wir mit anderen Gegebenheiten arbeiten als andere Unternehmen. Besonders unabhängige Verlage, die nicht zu großen Konzernen gehören, müssen sich besonderen Herausforderungen stellen.

Du hast das Thema gerade schon angeschnitten: Welchen Schwierigkeiten begegnest du während deiner Arbeit?

Wie wohl bei allen Unternehmen ist das größte Problem die starke Konkurrenz. Es gibt tausende von unabhängigen, aber auch großen Verlagen in Deutschland, die Werbeflächen mieten können, von denen wir nur träumen können. Die Frage ist: Wie kann man trotz des kleinen Budgets Aufmerksamkeit beim Endkunden erreichen? Und wie erreicht man genau diejenigen, für die das Buch gedacht ist? Angesichts des Überangebots in Buchhandlungen und auf Messen ist es ziemlich schwierig, Journalisten und Blogger dazu zu bekommen, sich für ein Buch aus unserem Verlag zu entscheiden. Mir ist hierbei aufgefallen, dass das bei sehr speziellen, sozusagen Nischen-Büchern überraschend einfach ist.

Konntest du in den letzten Jahren eine Veränderung in der Anzahl der Rezensionen von Zeitungen feststellen?

Tatsächlich ja. Ich habe vor kurzem unsere alten Pressespiegel digitalisiert und gemerkt, dass es früher viel mehr Rezensionen gab, vor allem bei Spitzentiteln. Das hängt auch damit zusammen, dass wir nicht mehr alles analog abspeichern, sondern digital sammeln, aber beim Herunterrechnen sieht man, dass die Anzahl an Rezensionen zurückgegangen ist. Das ist wohl auch dem geschuldet, dass der Kulturfläche in den Zeitungen immer weniger Platz gegeben gibt.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Was für Aufgaben fallen in deinen Zuständigkeitsbereich?

Die Presse über unsere Bücher zu informieren und Fragen zu beantworten sind natürlich das A und das O. Die Leute sollen durch unsere Arbeit mit dem Namen Mitteldeutscher Verlag etwas anfangen können und aha-Effekte wie »Da erscheint doch die Hiddensee-Krimi-Serie.« oder »Da habe ich doch das schöne Lost Places Buch her.« erleben. Dazu kommt die Planung von Veranstaltungen wie z.B. Lesungen oder Ausstellungen und damit einhergehend das in Auftrag geben von Anzeigen, Flyern und Plakaten. Es ist wichtig, sich über die aktuellen politischen Geschehnisse zu informieren, um die Arbeit in einen gewissen Kontext setzen zu können. Ich lese täglich Zeitung und verfolge die Aktivitäten anderer Verlage und schaue, welche Art von Büchern zurzeit funktioniert. Ein weiterer wichtiger Punkt meines Arbeitstages ist der Umgang mit Autoren. Manchmal haben sie absurde Vorstellungen davon, was ein Verlag alles leisten muss und es ist an mir, ihnen zu vermitteln, was wir als mittelständischer Verlag überhaupt leisten können. Der Kontakt mit Autoren beschränkt sich nicht nur auf geschäftliche, sondern auch private Angelegenheiten. Diese Rolle als emotionaler Beistand muss natürlich auch in einem bestimmten Rahmen stattfinden, aber wir haben den Anspruch, persönlich zu arbeiten und unsere Autoren kennenzulernen. Darum kommt bei uns auch jede Abteilung mit ihnen direkt zusammen, allen voran natürlich das Lektorat und die Presse, aber auch die Grafik, wenn es z.B. um die Covergestaltung geht, oder der Vertrieb bei der Frage, wer die Bücher denn eigentlich bekommen soll. Eine weitere Aufgabe ist das Aufstöbern von Ausschreibungen zu Literatur-, Fotobuch- oder Übersetzerpreisen. Außerdem checke ich täglich die Zahlen der Buchverkäufe. Wenn ungewöhnlich viel bestellt wurde, recherchiere ich, ob es z.B. eine Rezension gab, die wir nicht mitbekommen haben, was dann auch häufig der Fall ist.

Wie bist du zu deiner Arbeit in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gekommen? Gibt es eine konkrete Ausbildung für den Beruf?

Ich bin ein Quereinsteiger und habe davor Ethnologie und Berufsorientierte Linguistik im interkulturellen Kontext studiert. Nach einem Praktikum im Vertrieb des Mitteldeutschen Verlages wurde mir ein Volontariat angeboten. Das war damals ein 6er im Lotto. Als die bisherige PR-Verantwortliche wegen ihrer Schwangerschaft aufhörte, konnte ich die Stelle unbefristet übernehmen. Die meisten bei uns sind durch Praktika ins Verlagswesen hereingerutscht. Es gibt natürlich auch verlagsnahe Studiengänge wie Verlagswirtschaft oder Buchwissenschaften, aber ob man jetzt PR studieren muss, um dort zu arbeiten, halte ich für fragwürdig.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte man mitbringen, wenn man im Bereich der PR arbeiten möchte?

Das wichtigste ist, Begeisterungsfähigkeit für das Produkt entwickeln zu können. Man muss nicht alle Bücher lieben, die wir veröffentlichen, aber man muss in jedem Buch etwas sehen können, damit die Arbeit gut von der Hand geht. Und natürlich sind Kommunikation und vor allem Feingefühl alles, auch, wenn es manchmal schwierig ist. Man muss Klinken putzen, sich bei Leuten vorstellig machen und den entstehenden Kontakt auch über einen langen Zeitraum halten. Wir gehen von Haustür zu Haustür und schreiben z.B. alle Buchhandlungen Sachsens an, um zu fragen, ob sie ein Buch vorstellen möchten. Dabei muss man immer individuell bleiben und sagen, warum das Buch genau in diese Buchhandlung passt. An vielen Stellen gilt es, über den eigenen Schatten zu springen, Verantwortungsbewusstsein zu zeigen und Kompromisse eingehen zu können, Teamfähigkeit ist generell gefragt. Kreativität wird zwar manchmal aus Zeitgründen etwas vernachlässigt, ist aber sehr hilfreich und vielseitig anwendbar. Und das nicht zuletzt bei der Frage, wo man Geld in Zeiten herbekommt, in denen Bibliotheken keine Fahrt- oder Übernachtungskosten mehr übernehmen können. Wir als Verlag können das nicht zahlen, also sucht man sich beispielsweise Stiftungen oder Vereine. Und natürlich benötigt man ein gewisses Organisationstalent. Man muss trotz der 79 Mails, die täglich reinkommen, Prioritäten setzen und trotzdem nichts vergessen können.

Was sind die schönsten Momente deines Berufsalltags?

Einer der schönsten Momente ist der, wenn ein Autor, dessen Buch frisch aus der Druckerei kommt, hereinschaut und sich mit Tränen in den Augen so sehr darüber freut, als hätte er ein Kind zur Welt gebracht. Oder wenn man nach einer Veranstaltung hört, dass sie so gut besucht war, dass nicht genug Stühle da waren und das tolle Feedback einen vollkommen unerwartet trifft. Die Arbeit auf Lesungen ermöglicht mir einen ganz anderen Zugang zu Büchern, mit denen ich zunächst nichts anfangen konnte. Bei Lyrik oder Sachbüchern bekomme ich dann auch mal eine Gänsehaut, weil ich plötzlich eine Schönheit in den Inhalten erkenne, die mir bisher verschlossen blieb. Auch Rezensionen, bei denen man merkt, dass die Leute richtig in das Buch hineingegangen sind, machen mir Freude, egal, ob es sich um eine FAZ- oder Bloggerrezension handelt oder ob das Fazit positiv oder negativ ist.

Wie schätzt du die Bedeutung von Social Media und Blogger-Relations ein?

Facebook und Instagram werden bei uns regelmäßig bespielt. Dabei versuchen wir die Leute durch Posts über das Verlagsleben zu catchen. Diese emotionale Bindung ist wichtig, damit sie nicht weiter scrollen, wenn dann mal ein Post über eine unserer Neuerscheinungen kommt. Auch Blogs werden für uns immer wichtiger. Sie sind kein Ersatz für das Feuilleton, sondern eher eine Ergänzung, da sie eine junge Leserschaft ansprechen, die man durch Zeitungen nicht mehr erreicht. Außerdem haben Blogger meist eine andere Sicht auf die Bücher und sind ein wenig ehrlicher. Durch Social Media und Blogs verkaufen wir meines Erachtens nach nicht mehr Bücher, aber es geht hier auch eher darum, die Marke Mitteldeutscher Verlag zu festigen.

Wie wichtig sind Buchmessen im Zeitalter des Internets?

Für uns als unabhängigen Verlag sind sie wahnsinnig wichtig. Besonders in Leipzig werden wie in den 80ern und 90ern noch Geschäftsgespräche geführt, Kontakte gepflegt, Absprachen mit Autoren und Vereinigungen getroffen. Es ist eine gute Möglichkeit, Buchhandlungen, Journalisten und Blogger persönlich kennenzulernen und so aus unserer Verlagsblase herauszukommen. Die Frankfurter Buchmesse ist besonders dieses Jahr wichtig für uns, da Georgien das Gastland ist und wir mit zwölf georgischen Titeln weit vorne sind, auch bei den Journalisten. Buchmessen als »Zentralen für einen Moment« sind für uns überhaupt nicht zu ersetzen.

Beitragsbild: © Katharina Hoppe

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