Behind the book: Interview mit der Coverdesignerin Marie Graßhoff

Leipzig Lauscht erkundet neue Felder: In unserem neuen Format »Behind the book« wollen wir mit den Menschen sprechen, die hinter den Büchern stehen und sie erst durch ihre harte Arbeit ermöglichen. Von nun an erwartet euch jeden zweiten Mittwoch ein neuer Beitrag zu einem spannenden Beruf aus der Buchbranche. 

Diese Woche trifft unsere Redakteurin Katharina Hoppe die selbstständige Coverdesignerin Marie Graßhoff. Sie ist unter anderem Stammdesignerin beim Drachenmond-Verlag und hat bereits selbst mit den ersten zwei Bänden der »Kernstaub«-Reihe und »Die Schöpfer der Wolken« erfolgreich Bücher veröffentlicht. 

Haarchamäleon und Excel-Liebhaberin Marie Graßhoff © Marie Graßhoff

Wie schätzt du die Bedeutung vom Cover für den Erfolg des Buches ein?

Ich denke, das Cover macht schon um die 80% aus. Wenn man durch die Buchhandlung geht und die Cover einen nicht ansprechen, dann nimmt man die Bücher in der Regel auch nicht in die Hand. Bei großen Verlagen ist das allerdings etwas anders, da dort die Spitzentitel besonders stark vermarktet werden, sodass das Cover an Bedeutung verliert. Aber gerade beim Self-Publishing und im Online-Bereich ist es sehr wichtig.

Hast du schon mit Self-Publishern zusammengearbeitet, die nach Einsatz deines professionellen Covers einen Unterschied in ihren Verkaufszahlen bemerkt haben?

Tatsächlich ja. Gerade im Romance-Bereich kam es schon öfter vor, dass die Bücher dann auch mal in den Amazon-Bestseller-Listen landeten und sich allgemein deutlich besser verkauften als frühere Romane mit selbstgemachten Covern.

Was macht ein gutes Cover aus?

Ein gutes Cover spiegelt den Inhalt wieder. Bei großen Verlagen hat man das oft nicht, weil die Umschläge möglichst marktkonform gestaltet sein sollen. Hier spielt die Zielgruppe eine entscheidende Rolle, sodass Bücher, die inhaltlich ein weiteres Leserspektrum ansprechen könnten, beispielsweise nur für Frauen vermarktet werden und femininere Cover bekommen. Das kann man auch sehr gut beobachten, wenn man englische Originalcover mit den deutschen Covern vergleicht. Hier gibt es teilweise sehr starke Differenzen. Was in England z.B. an Science Fiction-Leser allgemein promotet wird, richtet sich in Deutschland nur an jugendliche, weibliche Science Fiction-Leser. Dann zeigt das deutsche Cover auch mal eine Frau im pinken Abendkleid, während das Originalcover sich auf einen riesigen, düsteren Wolkenkratzer beschränkt. Der angepasste Klappentext tut dann den Rest.

Wie bist du zum Coverdesign gekommen?

Ich habe mit 16 damit angefangen. Damals war ich super aktiv in Online-Foren und habe dort meine eigenen Texte hochgeladen. Um mehr Aufmerksamkeit zu generieren, begann ich damit, Cover für meine Geschichten zu gestalten, anfangs natürlich total stümperhaft. Während meines Buchwissenschaftsstudiums und der anschließenden Stelle als Social Media Manager verfolgte ich das Ganze nebenbei weiter. Als ich dann mein erstes Buch mittels Self-Publishing veröffentlichte, erstellte ich dafür eine Facebook-Seite, auf der ich auch Cover meiner anderen Projekte vorstellte. Damals kamen die ersten Autoren auf mich zu und fragten, ob ich nicht auch ein Cover für sie erstellen könnte. Zu Beginn war ich noch etwas irritiert, weil mir nicht klar war, dass meine Arbeit anderen so gut gefiel, dass sie auch dafür zahlen würden. Als ich meinen Job schließlich kündigte, dachte ich, ich könnte es ja mal auf selbstständiger Basis versuchen, um die Zeit zu überbrücken. Aber dann kamen immer mehr Kunden, vor allem durch den Drachenmond Verlag, der mich damals als Designer engagierte. Durch dessen Social Media Posts wurden viele Leute auf mich aufmerksam und seitdem läuft‘s.

Angenommen, man beauftragt dich, ein Cover zu entwerfen. Wie genau läuft das dann ab? Erhältst du konkrete Vorgaben?

Das ist von Auftrag zu Auftrag unterschiedlich. Es gibt Autoren und Verlage mit konkreten Vorstellungen und dann wieder welche, die mich einfach machen lassen. Bei großen Verlagen arbeite ich in der Regel ausschließlich mit den Lektoren zusammen. Deswegen gestalte ich eigentlich auch ganz gerne für Self-Publisher oder mittelgroße Verlage, weil man dort direkt mit dem Autor kommunizieren kann. In der Regel schicke ich einen Fragebogen raus, in dem Dinge wie Zielgruppe, Inhalt, Stimmung und charakteristische Symbole, die man aufgreifen könnte, abgefragt werden und suche dann das persönliche Gespräch.

Wie lange brauchst du im Schnitt vom Eintreffen eines Auftrages bis zum Endprodukt?

Durchschnittlich 15 bis 20 Stunden pro Cover.

Da du dich täglich kreativ auslebst, gibt es sicherlich auch Tage, an denen die Ideen einfach fehlen. Wie gehst du damit um? Was inspiriert dich?

Tatsächlich passiert mir das relativ selten, weil die Aufträge sehr unterschiedlich sind. Wenn ich mich für ein Projekt nicht inspiriert genug fühle, beschäftige ich mich intensiver mit der Bildrecherche, wobei Pinterest-Pinnwände von den Autoren natürlich besonders hilfreich sind. Ansonsten kann ich aber auch problemlos zum nächsten Cover übergehen und das erst einmal machen, weil ich durch meine Excel-Liebe ziemlich organisiert unterwegs bin. Ein richtiges Cover-Loch hatte ich also noch nie.

Du hast selbst schon Bücher veröffentlicht. Allen voran die ersten zwei Bände der »Kernstaub«-Reihe beim Drachenmond Verlag. Wie war es für dich, die Cover dafür zu gestalten?

Das war echt schwer, viel schwieriger, als ein Cover für jemand anderen zu entwerfen. Ich war vollkommen überfordert, weil ich durch meine Arbeit all die Möglichkeiten gesehen habe und gleichzeitig unheimlich viele Aspekte meiner Geschichte auf dem Cover vereinen wollte. Deshalb habe ich für mein drittes Buch »Die Schöpfer der Wolken« einen Kollegen mit der Covergestaltung beauftragt, weil mir ganz einfach die nötige Distanz fehlte.

Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du das erste Mal eines deiner Cover in einer Buchhandlung gesehen hast?

Ja, das war krass. Ich glaube, das war sogar Kernstaub. Aber ich bin auch jetzt noch ganz aufgeregt, wenn ich Cover von mir sehe. Eigentlich halte ich jedes Mal, wenn ich durch einen Buchladen gehe, Ausschau nach meinen Babys… (lacht)

Noch nicht genug von Marie? Hier geht’s zu ihrer Website: marie-grasshoff.de

Beitragsbild: © Katharina Hoppe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.