Behind the book: Interview mit der Buchhändlerin Lena Titel

Kleine persönliche Buchläden verleihen jedem Eintretenden ein Gefühl des Ankommens und lassen die Zeit für einen Moment langsamer vergehen. So jedenfalls ist das Gefühl der Redakteurin Isabell Hildebrandt. Ob die Buchhändlerin Lena Titel aus dem Buchladen H24 das genauso sieht, wenn man täglich mit Schmökern zu tun hat, steht in den nächsten Zeilen.

Sie arbeiten als Buchhändlerin und haben das Glück, den ganzen Tag von großen und kleinen Büchern umgeben zu sein. Was fühlen Sie, wenn Sie einen Buchladen betreten?

Vor allem wohl Neugier. Es gibt so eine unüberschaubare Menge an Büchern. Selbst als Buchhändlerin wird man immer wieder überrascht und kann beim Stöbern viele unbekannte Titel entdecken. Außerdem ist Freude sehr groß. Ich finde die Atmosphäre in den meisten Buchläden einfach gemütlich. Bücherregale geben viel Behaglichkeit.
Ich muss aber auch sagen, dass ich durch meinen Beruf nie zu 100% privat in einem Buchladen stöbern kann. Ich rücke immer Bücher zurecht oder sortiere ein falsch liegendes Buch auf den richtigen Stapel. Ich schau nicht nur nach Büchern zum Lesen für mich, sondern notiere mir auch Titel, die für unsere Buchhandlung interessant wären.

Hat Ihre Bücherliebe Sie auf den Weg gebracht, in einem Buchladen zu arbeiten?

Wahrscheinlich schon. Ganz genau kann ich gar nicht mehr sagen, warum ich mich dazu entschlossen habe, Buchhändlerin zu werden. Meine Schulnoten in Deutsch waren nie die besten und ich habe beispielsweise Faust nie komplett durchgelesen. Nach dem Abi habe ich den fast schon obligatorischen Auslandsaufenthalt mit dem Schnuppern in die professionelle Bücherwelt verbunden. Ich war neun Monate in Spanien und habe zwei Praktika in deutschen Buchhandlungen in Barcelona und Madrid gemacht Das war toll. Ich habe so viel gelernt und durfte viel eigenverantwortlich arbeiten. Das hat mich bestärkt, den „Buchweg“ weiter zu gehen.

Was braucht ein/e Buchhändler/in, um den Beruf gut ausüben zu können?

Das Wichtigste ist es, eine offene Person zu sein, die sich gerne mit Menschen unterhält. Vor allem bei der Arbeit in einer kleineren unabhängigen Buchhandlung ist das Gespräch mit den Kunden das A und O. Das geht gerne mal über das klassische Beratungsgespräch hinaus. Außerdem braucht man noch ein bisschen Organisationstalent und ein Auge für ansprechende Präsentation. Vieles andere kann man lernen – Arbeit mit dem PC und dem Kassensystem, der Umgang mit Einkaufs- und Verkaufszahlen und auch das Geschenkeverpacken. Aber nicht zuletzt: Freude am Lesen ist natürlich auch gut!

Die Buchhändlerin an ihrem Arbeitsplatz (c) Lena Titel

Wie gestaltet sich Ihr Berufsalltag?

Buchhändler/in ist ein kaufmännischer Beruf. Also ist das Verkaufen von Büchern die Hauptaufgabe. Aber bevor es überhaupt zum Abkassieren kommt, bedarf es vieler Arbeitsschritte. Am Wichtigsten ist die Auswahl der Titel, die man im Laden vorrätig hat. Ich habe ja schon gesagt, dass es eine unüberschaubare Menge an Literatur gibt und es kommen jährlich zigtausend Neuerscheinungen dazu. Für die Auswahl braucht es einerseits ein gutes Gespür für die Kundenwünsche und anderseits Hilfen von außen. Die bekommt man bei beim Besuchen der Buchmessen, bei Gesprächen mit Verlagsvertretern oder durch die Medien. Neben dem Ein- und Verkauf der Bücher gibt es noch einigen Bürokratiekram. Da sind die Stichworte Rechnungen, Gutschriften, Inventur und Bilanzen. Außerdem wartet immer wieder das Aufräumen, Sortieren, Abstauben und Dekorieren der Regale, Auslagen und Schaufenster.
Zeit zum Blättern und Querlesen ist und sollte zwischendurch aber auch immer sein. Man muss ja wissen, wovon man redet. Das richtige Lesen ist aber Aufgabe für Zuhause.

Lesen kann man auch online: Bücher werden als e-Book zur Verfügung gestellt, manche Bücher gibt es als pdf-Datei. Welchen Schwierigkeiten begegnet man in Ihrem Beruf?

Bei uns in unserer kleinen Buchhandlung haben wir kaum Kontakt mit e-Books oder ähnlichem. Über unseren online-Shop kann man sich e-Books zwar runterladen, aber das passiert nebenher. Direkte Berührung mit dem Thema haben wir wenig. Ich denke, dass sich die Kunden, die viel digital lesen, ihre Lektüre bei größeren Buchhandlungen bzw. bei online-Händlern besorgen. Unser Buchladen ist ein Anlaufpunkt für Freunde des gedruckten Wortes. Ich kann schwer sagen, inwiefern die Existenz von digitalen Büchern den Umsatz schmälert.

Verliert man die Lust am Lesen, wenn man sein Hobby zum Beruf macht?

Nein, eigentlich nicht. Es ist aber eine Kunst, die Balance zu finden zwischen dem Lesen auf Vergnügen und dem Lesen für die Arbeit. Ich lese zum Beispiel seit drei Jahren viel mehr Kinder- und Jugendbücher als Erwachsenenliteratur, da ich bei uns im Laden für die Kinderbücher zuständig bin. Gut ist, dass mir das Spaß macht! Aber ab und an muss auch mal wieder ein „richtiger“ Roman sein.


Behaglichkeit zum Anfassen gibt es hier: H24, Holbeistraße 24, 04229 Leipzig
Eher der Online-Typ? http://www.verlagsbuchhandlung-vae.de


 

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