Bart Simpson ist eine Dose

Art Director ­der Cartoon-Serie „Die Simpsons“ besucht die Leipziger Buchmesse

von Ariane J. Hoch

In Halle 1 des Messegeländes befindet sich die Manga-Comic-Convention. Die Halle, in der die wunderliche Welt der (größtenteils japanischen) Zeichentrickwelt zum Leben erweckt wird. Wo sich die bunten, liebevoll kostümierten Cosplayer sammeln. Genau dort im hinteren Bereich hinter all den bunten Verkaufsständen befindet sich die Bühne mit einer der größten Zuschauerbereiche der Messe. Und auf di­eser Bühne hat der Panini Verlag Serban Cristescu zu einem Live-Zeichnen eingeladen.

Cristescu arbeitet als Art Director für die Comicserie „Die Simpsons“. 1985 emigrierte er mit seiner Familie aus Rumänien in die USA. 1998 kam er durch einen Kontakt zu Bongo Comics, dem von Simpsons-Schöpfer Matt Groening gegründeten Verlag, der unter anderem auch die Comic-Serien „Futurama“ und „Spongebob Schwammkopf“ heraus bringt.

Hierzulande hält der Panini Verlag die Rechte an den Simpsons. Dieser Name zieht natürlich das Publikum – in diesem Fall größtenteils das junge – an. Der durchschnittliche Messe-Besucher verirrt sich jedoch nur selten hier in die hinterste Ecke der Halle. Das ist schade, denn die Veranstaltung erweist sich als unterhaltsam und informativ zugleich. Es gibt kein plumpes Vorzeichnen der bekannten gelben Charaktere, sondern Cristescu gibt einen Einblick, wie komplex die einfach anmutenden Figuren sind.

Obwohl die Simpsons klassisch zweidimensional in Zeichentrick- wie Comicserie auftauchen, müssen die Zeichner sie sich beim Zeichnen dreidimensional vorstellen, um die Figuren richtig zu proportionieren und sie auch aus unterschiedlichen Winkeln nicht im Model zu verzerren. Dazu greift Cristescu auf geometrische Figuren zurück. Homer zum Beispiel startet mit einer Bowlingkugel als Grundzug, Barts Kopf wird einer Dose nachempfunden. Erst werden grobe Umzüge ausgearbeitet und anschließend fein nachgezeichnet. Comic ist nicht nur Kunstform. Es setzt neben Talent auch viel Technik voraus. Jede einzelne Figur hat ihre eigenen Spezifika. Viele Einzelheiten müssen beachtet werden. In welchem Verhältnis stehen Nase und Ohren zueinander? Wie viele Wimpern haben die weiblichen Familienmitglieder? Wo müssen die Pupillen sitzen?

DSC05618 DSC05622

Der Profi auf der Bühne skizziert und erklärt ausführlich, auch wenn das vorhandene Flipchart von seiner normalen Arbeitsweise sicherlich weit entfernt ist.

Moderiert wird das Event von Steffen Volkmer, PR-Manager von Panini, in einer eloquenten und sehr unterhaltsamen Weise, die den amerikanischen Art Director sichtbar entspannt. Der Jugend im Publikum wird nicht nur eine sinnvolle Verwendung für den Stoff aus dem Matheunterricht vorgeführt, sondern auch, wie sehr man von sauberen, pointierten Englischkenntnissen profitieren kann. Volkmer übersetzt die Antworten seines Gastes und gibt gleichzeitig passende, kurze Sacherklärungen zur Vermittlung des Inhalts.

Bei der anschließenden Fragerunde erweist sich das Publikum als neugierig und fachbezogen. Welche Orte würde Cristescu besuchen, wäre er in Springfield? – Moe’s Bar, den Kwik-Markt und Frings Labor. Wie lange dauere ein Produktionsprozess eines Comics? – Zwischen vier und sechs Monaten, abhängig vom Zeichner. Jeder Zeichner würde an unterschiedlichen Comics gleichzeitig arbeiten, nicht nur an einem speziellen. Deshalb sei das schwer abzuschätzen.

Die Möglichkeit auf eine persönliche Zeichnung mit Widmung gibt es bei der anschließenden Signierstunde, wo sich neben den normalen Kids die Simpsons-Nerds einfinden, die geduldig warten, um an die Reihe zu kommen.

Es ist ein schönes Event, um einen Einblick zu erhalten in die komplexen Strukturen der Darstellung von Comicfiguren. Solche Veranstaltungen breiter gefächert vorzufinden, wäre ein Gewinn für die wachsende MCC, anstatt die Halle mit noch einer Konsumbude voller Merchandise und Fetisch-Kitsch zu füllen. Auch in Deutschland gibt es viele talentierte Comickünstler, deren Handwerk eine große Bühne verdient hätte. Die Professionalität der Organisation ist zu mindestens schon einmal gegeben und lässt auf eine positive Entwicklung hoffen.

 

Veranstaltung: „Wie zeichnet man ‚Die Simpsons‘?“; Serban Cristescu; Große Bühne, Halle 1, Stand B601; 12. März, 14 Uhr

 

Die auf der Bühne entstandenen Werke werden laut Ansage auf der Facebook Seite von Panini verlost. https://www.facebook.com/PaniniComicsDE?fref=ts

http://www.paninicomics.de

http://www.bongocomics.com/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.