Alexander von Humboldt kurz mal vorgestellt

Frank Holl präsentiert seinen Band über das Leben Alexander von Humboldts.

Frank Holl kommt ohne Moderation aus, er begrüßt sein Publikum im gefüllten Forum Sachbuch allein, mit leichter Verspätung. So viele sind gekommen, dass der Fußboden die Sitzmöglichkeiten ergänzt und manch einer stehen muss. Auf mangelndes Interesse stößt der Initiator zahlreicher Humboldt-Ausstellungen wirklich nicht, als er seinen Vortrag über das Leben Alexander von Humboldts mit einer Vorstellung der facettenreichen Person beginnt. »Meistporträtierter Forscher des 19. Jahrhunderts«, »erster Ökologe«, »Visionär«, »Antikolonialist«, »Antirassist«. Mit diesen Zitaten umreißt der Autor seine Faszination für jenen Mann, den er als herausstechend unter den Zeitgenossen charakterisiert.

Hierzu passend zeigt Holl Landschaftsmalereien und Porträts der Forschungsreisen Humboldts, anhand derer er den damals ungewöhnlichen Respekt vor indigenen Völkern illustriert. Diese sind auf den Gemälden beispielsweise ebenso »schön« und »gleichberechtigt« dargestellt wie die weißen Europäer und der Forscher selbst, wovon sich das Publikum selbst überzeugen kann.

Trotz des Messelärms gut verständlich folgt ein Lesevortrag aus den Tagebüchern der Südamerikareise. Humboldt und seine Indio-Begleiter bestiegen einen Vulkan und entgingen nur knapp einem Sturz in den 400 Meter tiefen Krater, den eine dünne Schneeschicht verdeckt hatte. Dieses Erlebnis und der Anblick der lebensfeindlichen Vulkanlandschaft ließen den Forscher tief erschüttert zurück. Holl vermittelt die Gefühlslage seinem Publikum anschaulich.

Mittels einer Fotomontage von Humboldts Gesicht auf der Comicfigur »Superman« karikiert der Autor allerdings einige Formen der heutigen Rezeption, die dem preußischen Naturforscher nicht gerecht würden. Er lobt Humboldt, verklärt ihn aber nicht.

© Die Andere Bibliothek

Die Uhrzeit im Blick, reißt er kurz die Zeit nach Südamerika an, erwähnt auch die Reise nach Russland, die Humboldt später unternahm. Er berichtet lachend von der Enttäuschung über das gebotene Landschaftsbild, dass immer nur der »Hasenheide in Berlin« gleiche. Ausführlich wird Holl an dieser Stelle nicht, sondern kommt hastig zum Schluss. So wird aus dem versprochenen Einblick in das viel bewegte Leben eher ein Überblick über die allgemein positiven Facetten Humboldts, speziell seine Bewunderung und Empathie für andere Völker. Doch auch dieser Fokus würde die volle Ausnutzung des ohnehin knappen Zeitrahmens von 30 Minuten durchaus rechtfertigen. Das Publikum zeigt keinerlei Zeichen von Ungeduld. Umso mehr verwundert es, dass der Autor sich für seinen guten Vortrag mit deutlich weniger Zeit begnügt, statt sein detailliertes und reich bebildertes Buch ausführlicher vorzustellen. »Was das Fertigwerden betrifft – ach! Mein Freund, man wird nie fertig.« Dieses Zitat Alexander von Humboldts gibt Frank Holl seinem Publikum als Zusammenfassung für den Arbeitseifer des Forschers am Ende der Veranstaltung mit auf den Weg. Im Gegensatz dazu wird Holl recht zügig fertig, nach exakt 24 Minuten ist der Einblick in Humboldts Leben auch schon wieder vorbei. Das ging fix.

Beitragsbild: Frank Holl stellt sein neues Buch vor. © Katja Murschel


Die Veranstaltung: Das Forscherleben Humboldts anschaulich erzählt und prächtig illustriert – ein Band zum Staunen, Forum Sachbuch Halle 5, 16.3.2018, 12 Uhr

Das Buch: Alexander von Humboldt: Mein viel bewegtes Leben – ein biographisches Porträt präsentiert von Frank Holl. Die Andere Bibliothek, Berlin 2018, 384 Seiten, 58,00 Euro


 

 

Der Rezensent: Konrad Bunk

 


 

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