3 Zeichner, 3 Mal lustig

Leipzig lacht! Eine Comic- und Cartoon-Show im Theaterhaus Schille.

Im vollgepackten Saal lachen alle. Und lachen wieder. Stöhnen auf, schweigen, klatschen. Dann lachen sie wieder, und klatschen erneut. Vorne sind abwechselnd der Comiczeichner Flix (Felix Görmann), und das Cartoon-Duo Oli Hilbring und Michael Holtschulte zu sehen, die »zwei Stricher«. Was der Unterschied zwischen Comiczeichnern und Cartoonisten ist? Nun, Cartoonisten seien faule Comiczeichner, meinen Holtschulte und Hilbring. Flix dagegen erklärt etwas sachlicher, der Unterschied bestehe darin, dass Cartoons nur aus einem Bild bestehen, ein Comic dagegen aus mindestens drei.

Die drei stellen nicht nur ihre neuesten Bücher vor, sondern lesen auch aus älteren Titeln und projizieren Comics und Cartoons an die Wand. Die Zuschauer hätten nicht mal halb so viel Spaß, wenn nur die Texte zu hören wären. Denn um die Zeichnungen geht es hier schließlich.

© Lappan
© Lappan

Al-Iriani_Hilbring_Cover

Vor allem präsentieren Holtschulte und Hilbring ihre neuen Titel »Amoklauf in der Waldorfschule« und »Ich hab’ das mal gegoogelt«. Aber sie zeigen auch viel aus anderen Büchern, wie »fiesbook«, »schön doof«, »Alles Veggie oder was?«. Teilweise werden Animationen gemacht, wobei Hilbring sich über seine unzulänglichen Animationsfähigkeiten lustig macht. Ab und zu zanken die beiden spielerisch miteinander. So manche Zeichnung birgt auch einen gemeinen Witz, der ein Schweigen oder sogar Stöhnen im Publikum zur Folge hat. Andere machen nachdenklich oder begeistern so, dass man einfach klatschen muss. Die Animation von »Rock Klassiker (neu interpretiert)« von Hilbring finden alle grandios, auch ist »Tot, aber lustig« von Holtschulte ein Publikumsliebling.

© Carlsen
© Carlsen

Flix dagegen stellt sein neuestes Buch »Münchhausen« gar nicht erst vor. Es regt eher zum Träumen und Nachdenken an, aber hier sollen alle lachen. Stattdessen zeigt er Cartoons oder Ausschnitte aus den Büchern »Da war mal was«, »Schöne Töchter« und vielen anderen. Beide Bücher sind aber nicht nur zum Lachen da. In »Da war mal was« geht es um Anekdoten verschiedener Leute aus der Wendezeit; in »Schöne Töchter« geht es um Frauen, aus der Perspektive des Vaters einer Tochter. Da finden sich Witze, aber auch einfühlsame Momente, die heftiges langes Klatschen im Publikum zur Folge haben.

Obwohl die drei bereits eine Stunde überzogen haben, erbitten sich alle Besucher noch eine Zugabe. Danach geht es an den Büchertisch. Hier signieren sie nicht bloß, hier zeichnen sie fleißig. Ein Zuschauer, der von allen dreien je ein Buch gekauft hat, wünscht sich einen Wal. Holtschulte zeichnet ihn gern, lässt es sich aber nicht nehmen, einen Sensenmann auf den Kopf des Tieres zu setzen.

Prädikat: sehr empfehlenswert, sowohl die Show als auch alle Bücher, die vorgestellt wurden.

Beitragsbild: Flix (links), Michael Holtschulte (Mitte) und Oli Hilbring (rechts) bei Leipzig lacht. © Yasmin Al-Iriani


Die Veranstaltung: Leipzig Lacht! 3 Zeichner, 2 Shows, 1 Bühne! Flix, Hilbring und Holtschulte zeigen ihre Werke und lesen daraus vor, Schille Theaterhaus, 22.3.2017, 20 Uhr

Die Bücher:

  • Felix Görmann: Da war mal was. Carlsen, Hamburg 2014, 144 Seiten, 16,99 Euro
  • Oli Hilbring: Ich hab’ das mal gegoogelt. Lappan, Oldenburg 2016, 64 Seiten, 8,99 Euro
  • Michael Holtschulte: Amoklauf in der Waldorfschule. Lappan, Oldenburg 2017, 96 Seiten, 9,99 Euro

 

 

Die Rezensentin: Yasmin Al-Iriani

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.